Hillary Van der Bellen und Donald Hofer

Die Eliten, das Establishment, der Mainstream: Wenn die Wahlen in den USA und Österreich eine Gemeinsamkeit haben, dann sind es Begriffe wie diese.

(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/JEFF SWENSE

Er brauche Jay Z und J.Lo nicht, sagte Donald Trump im Finale des US-Wahlkampfs. „We do it the old fashioned way.“ Das hätte so ähnlich auch von Norbert Hofer stammen können.

Denn nicht nur US-Celebritys wie der Rapper Jay Z oder die Sängerin und Schauspielerin Jennifer Lopez warben für Hillary Clinton, sondern beinahe das gesamte Establishment, nicht nur das künstlerische, aber eben insbesondere dieses. Trump blieb gar nicht viel anderes übrig, als sich als Kandidat des einfachen Volkes zu inszenieren. So wie das Norbert Hofer auch in Österreich tut – oder tun muss.

Wenn es eine Parallele zwischen diesen beiden Wahlgängen gibt, dann ist es diese: Da ein Kandidat (Alexander Van der Bellen), eine Kandidatin (Hillary Clinton), die von einer breiten Koalition der gesellschaftlichen Mitte, aber auch der gesellschaftlichen Eliten unterstützt werden und wurden. Dort der Außenseiter, ohne große Namen hinter sich auf der Bühne, dafür mit dem „einfachen Volk“ verbunden.

Eine Rolle, die Donald Trump und Norbert Hofer einerseits durch die Umstände aufgezwungen, andererseits von ihnen aber schon auch bewusst gewählt wurde. Denn natürlich sind auch der Milliardär Donald Trump und der Dritte Nationalratspräsident, Norbert Hofer, Teil des Establishments ihres Landes.

Aber eben nicht jenes weltanschaulichen Mainstreams, den nicht zuletzt die Mehrheit der Meinungsmacher repräsentiert. Die einen ähnlichen kulturellen Lebensstil, eine ähnlich Art des politischen Denkens pflegen. Die Wiener Leopoldstadt liegt hier näher am New Yorker Williamsburg als beim burgenländischen Pinkafeld. Das, was viele an Donald Trump attraktiv fanden, war sein respektloser Umgang mit der (übertriebenen) Political Correctness und ihren Vertretern, auf die obige Charakterisierung vielfach zutrifft.

Weiter wollen wir die Vergleiche zwischen den USA und Österreich abseits dieser offensichtlichen Polarisierung aber nicht mehr treiben. Die US-Wahl ist geschlagen. Die zweite Stichwahl der österreichischen Präsidentenwahl steht bevor. Jedenfalls sieht es danach aus. Denn auch die nun publik gewordene neue Problematik mit den Wahlkarten – das Beantragen derselben mittels falscher Passnummer – scheint nicht das Potenzial zu haben, noch einmal eine Verschiebung zu verursachen.

Am 4. Dezember sollte es also gelingen, einen neuen österreichischen Bundespräsidenten zu wählen. Und diese fast einjährige Mutter aller Wahlschlachten hat den Kandidaten einiges abverlangt. Alexander Van der Bellen, der urbane Intellektuelle, musste sich verbiegen, bis seine ländlichen Wurzeln zum Vorschein kamen, die er in seiner Jugend in Tirol hinter sich gelassen hat.

Und Norbert Hofer musste den sanften Freiheitlichen geben, was im ersten Stichwahlkampf dann schon nicht mehr verfing. Spätestens mit seinem Sager „Sie werden sich noch wundern, was alles geht“ hat er dieses Image selbst zerstört. Norbert Hofer wirkte auf einmal bedrohlicher, als er wahrscheinlich ist.

Überhaupt wird es schwer für die FPÖ, noch einmal – ein drittes Mal – ihre Anhänger zu mobilisieren. Da hat es Van der Bellen mit seiner breiteren Koalition, die das gemeinsame Ziel eint – und motiviert –, einen freiheitlichen Präsidenten zu verhindern, leichter.


Ein wenig desperat wirkt daher auch die Linie der FPÖ in ihrem Wahlkampf-Finish. Einerseits wird versucht, die Respektabilität ihres Kandidaten, der ja auch Stimmen aus der Mitte braucht, um 50 Prozent der Stimmen plus eine zu erreichen, zu heben, indem Reisen ins Ausland wie heute zum Staatspräsidenten Serbiens, Tomislav Nikolić, organisiert oder Symposien mit israelischer Beteiligung zum Gedenken an die Novemberpogrome wie am Montagabend veranstaltet werden. Andererseits wird das Porzellan dann wieder zerschlagen: mit Bürgerkriegsrhetorik oder Auftritten bei Vernetzungstreffen der radikaleren Rechten.

Alexander Van der Bellen tut hier nicht mehr viel anderes, als als Kontrast zu wirken: als netter Onkel, omnipräsent und unverbindlich. Motto: Nur nicht mehr irgendwo anstreifen. Vielleicht reicht das eh auch.

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2016)

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