Pensionen? Hört auf den älteren Mann!

Leitartikel Oberösterreichs Seniorenbundchef Pühringer bringt ein höheres Pensionsalter ins Gespräch. Der junge Kanzler sollte den Vorschlag dankend aufnehmen.

Immer weniger Menschen würden arbeiten, immer mehr in Pension sein.
Immer weniger Menschen würden arbeiten, immer mehr in Pension sein.
Immer weniger Menschen würden arbeiten, immer mehr in Pension sein. – (c) Clemens Fabry

Erfolge gegen Italien waren auch im Fußball schon einmal mehr wert, für das Pensionssystem gilt das erst recht. In einer Studie des Beratungsunternehmens Mercer über die Nachhaltigkeit der Pensionssysteme landete Österreich unlängst vor dem südlichen Nachbarstaat. Das war es aber auch schon. In allen anderen für die Studie untersuchten Staaten (insgesamt waren es 34) stand das Pensionssystem auf stabileren Beinen als hierzulande.

Die Österreicher werden zum Glück immer älter, das gesetzliche Pensionsalter bleibt aber gleich, und viele gehen bereits zuvor in den Ruhestand. Man muss kein Mathematikgenie sein, um zu wissen, dass sich diese Rechnung nicht mehr ganz ausgeht. Die Politik steht nur noch vor der Frage, welchen Pensionisten sie etwas wegnehmen will. Jenen, die momentan in Pension sind bzw. bald gehen werden. Oder den Pensionisten der folgenden Generationen, die ohne baldige Reform besonders lange arbeiten müssen und mit hohen Einbußen zu rechnen haben.

Wie löst man dieses Dilemma? Bisher hat es die Politik damit versucht, den Kopf einfach in den Sand zu stecken. Auch die türkis-blaue Koalition, die sich so gern als Reformregierung versteht, hat in ihrem Arbeitsprogramm das Thema ausgelassen. Man will der SPÖ keine Angriffsfläche bieten. Diese meldete sich in Form von Andreas Schieder auch jetzt gleich warnend zu Wort, nachdem Oberösterreichs Seniorenbundchef, Josef Pühringer, einen Vorstoß gemacht hatte.

Der Altlandeshauptmann sprach das Verhältnis von Arbeits- und Pensionszeit an. Immer weniger Menschen würden arbeiten, immer mehr in Pension sein. Die Folge könne neben einer Anhebung des faktischen auch eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters bedeuten, erklärte der ÖVP-Politiker. Gleichzeitig betonte Pühringer, dass diese Diskussion ja nicht gleich geführt werden müsse.

Auch wenn der letzte Satz typisch für die Pensionsdebatte ist (Reformen? Ja sicher, aber doch nicht jetzt!), sind Pühringers Worte doch bemerkenswert. Ein Seniorenvertreter, der auch das Wohl Jüngerer im Auge hat? Das ist man in einem Land, in dem selbst (linke) Jugendorganisationen gegen jede Anhebung des Pensionsalters kämpfen, nicht gewohnt.

Natürlich muss man mehrere Aspekte bedenken. Man kann nicht von Leuten verlangen, länger zu arbeiten, wenn manche Unternehmen alles tun, um ältere (ist gleich teure) Arbeitnehmer loszuwerden. Was es heißt, als älterer Mensch auf Jobsuche zu gehen, weiß man auch nicht erst, seit Sebastian Kurz im Wahlkampf die Geschichte seines Vaters auf Arbeitssuche erzählt hat. Hier braucht es neben einem geringeren Lohngefälle von Jung zu Alt auch Anreize, ältere Menschen zu beschäftigen.

Und doch scheint eine rasche Reform alternativlos, um die Gerechtigkeit zu wahren. Zwischen den Generationen, aber auch zwischen den Geschlechtern. Als der Verfassungsgerichtshof 1990 entschied, dass das Pensionsalter bei Männern und Frauen nicht unterschiedlich sein darf, zementierte die Politik die Ungleichheit (65 bzw. 60 Jahre) im Verfassungsrang ein. Erst ab 2024 und bis 2033 soll das Frauenpensionsalter schrittweise an das der Männer angeglichen werden. Der vermeintliche Vorteil für Frauen entpuppt sich aber schon jetzt öfter als Gefahr. Denn früher in Pension zu gehen bedeutet auch weniger Versicherungszeiten und weniger Geld im Alter.


Doch die Angst vor Wahlen, die ja tatsächlich oft von Pensionisten entschieden werden, bleibt tief drinnen in den Köpfen der Politiker. Gerade deswegen wäre ein einmal gesetzlich verankerter Automatismus (steigt die Lebenserwartung signifikant an, steigt auch das Pensionsalter für bestimmte Jahrgänge) sinnvoll. Dann bedarf es nicht ständig neuer politischer Diskussionen.

Und vielleicht wäre eine Pensionsreform gar nicht so unpopulär. Für eine ISA-Studie aus dem Vorjahr zum Thema „Leben im Alter“ wurden die Menschen gefragt, was die Politik tun sollte. Die am häufigsten genannte Antwort lautete: eine Pensionsreform machen.

Vielleicht sollte der junge Kanzler den Vorschlag des Altlandeshauptmannes also dankend aufnehmen.

E-Mails an: philipp.aichinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2019)

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