Frank und frei sagen wir Franz zum Papst

Francesco, Francis, François, Frank, Franjo, František, Ferenc: Die Konsonanten variieren, die Bedeutung bleibt gleich.

Manche Pointen liegen auf dem Boden bereit; aber man muss sich ziemlich tief bücken, um sie aufzuheben. Etwa das Wortspiel „Franziskuss“: Wir hätten einiges darauf gewettet, dass entweder „Österreich“ oder „Heute“ auf die Tatsache, dass der neue Papst seine ehemalige Präsidentin geküsst hat, mit dieser Kreation reagiert. Ob wir verloren hätten, kommt darauf an, ob man das Wort „oder“ im ausschließenden oder im nicht ausschließenden Sinn versteht: Beide Blätter taten es.

Florian Asamer hat ja in seinem letzten sonntäglichen „Walk of Häme“ die Form „Franziskus“ (mit einem „s“) nicht zu Unrecht als „überkandidelt“ bezeichnet. In seinem Sinn haben wir im Feuilleton einmal „Papst Franz“ geschrieben. Was ein Leser tadelte: Ob wir denn auch zum Papst Johannes XXIII. lässig Papst Hans gesagt hätten?

Das kann man nicht vergleichen. Hans ist eine deutsche Kurzform des hebräischen Johannes, aber Franz ist das Original und Franziskus nur eine Latinisierung. Franz ist ja einer der schönsten deutschen Namen, er bedeutet „kühn“ und „frei“, wie die alternative Form „frank“, die sich im Dialekt besser gehalten hat als in der Schriftsprache, aus der mit den Briefen wohl bald auch das „Frankieren“ („Freimachen“) schwinden wird. In Teuschls „Da Jesus und seine Hawara“ – das Jorge Mario Bergoglio, wenn er in Wien statt in Buenos Aires gewirkt hätte, wohl kennen und schätzen würde – sagt Jesus „fraunk“ statt „wahrlich“.

„Frank und frei“ ist wie „klipp und klar“, „Feuer und Flamme“ oder „rank und schlank“ eine Zwillingsformel. Auch die Franken (und damit Frankreich) kommen aus dieser Wurzel.

Das heutige Nebeneinander von Franz, Francesco, Francis und Frank illustriert, wie flexibel die Konsonanten in der Entwicklung der indogermanischen Sprachen sind; ein Parallelfall ist die Gruppe Zar, Cesare, Cesar, Kaiser. Auch heute wechseln Fränze, die keine Fränze sein wollen, gern von Affrikat [ts] zu einem anderen Konsonanten, wir könnten jetzt an einen gewissen Austrokanadier denken, denken aber lieber an einen Franz im nahen Niederösterreich, den sie im Dorfe Frankie rufen, während die Liebste ihn French (oder Franch?) nennt.

All das steht einem Franz offen wie die ganze Welt. Er kann sogar Papst werden, wie z.B. Francesco Piccolomini (als Pius II.) oder Franco Ferruci (als Bonifatius VII.), der davor sogar auch noch Gegenpapst war. Aber dass einer als Papst zum Franz wird, darauf musste die (römische) Christenheit über zwei Jahrtausende warten.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2013)

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