Keine Sorge, die Klimaskeptiker sind amtsbekannt!

Die Anprangerung von Journalisten durch eine deutsche Behörde erinnert Henryk Broder an Praktiken der Reichskulturkammer und der DDR.

Und sie erwärmt sich doch.“ Das ist der Titel einer 120-Seiten-Broschüre, in der das deutsche Umweltbundesamt (UBA) die globale Erwärmung – und ihre menschgemachte Ursache, das Treibhausgas CO2 – mit den Weihen Galileis versieht und gegen all jene zu Felde zieht, die den Kopf wiegen, und das gar öffentlich: „Das UBA zeigt, welche Kreise gezielt Zweifel am wissenschaftlichen Kenntnisstand verbreiteten und wie sie dabei vorgingen“ und das auch weiter tun.

Natürlich sind diese „Kreise“ – die Ölindustrie und von ihr gekaufte Propagandisten – vor allem in den USA aktiv, „aber auch hierzulande wird an der gezielten Verbreitung von Zweifeln an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur anthropogenen Klimaerwärmung“ gearbeitet, etwa von den Buchautoren Vahrenholt und Lüning („Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“). Oder von den „Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Mirsch“ und dem „Filmemacher Güter Ederer“. Sie alle sind durch „Beiträge“ aufgefallen, „die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaften übereinstimmen“.

Deshalb stehen nun ihre Namen in der Broschüre des UBA, und das ist kein privater Verein, sondern eine Behörde der Bundesrepublik Deutschland. Maxeiner, Ressortleiter Forschung beim „Focus“, und Mirsch, früher Chef der Ökozeitschrift „Natur“, nahmen es mit Humor und schlugen in ihrer Kolumne in der „Welt“ auf der gleichen Ebene zurück, sie haben die „fachliche Expertise“ der Broschüren-Autoren recherchiert: „Eine Philosophin, ein Berufsschullehrer und ein Physiker, der vor seiner Zeit beim UBA Karriere bei Greenpeace und der Lobbyorganisation Eurosolar machte.“

Aber für Henryk Broder, den in Totalitarismusfragen dünnhäutigsten und wortmächtigsten deutschen Publizisten, war mit der Namensnennung der Journalisten in der amtlichen Broschüre die Grenze des Spaßes weit überschritten. Er verglich, auch in der „Welt“, das Umweltbundesamt mit der „Reichskulturkammer“ – die schrieb in der braunen Zeit vor, was gedacht und publiziert werden durfte – und nannte das UBA „Bundesklimakammer“: „Das Umweltbundesamt legt die Grenze der Klimadebatte fest. Das heißt, es schafft die Debatte ab.“

Später relativierte Broder etwas und zog einen anderen Vergleich vor: „Sind wir auf dem Weg in eine zweite DDR, in der die Regierung auch für den Wetterbericht von heute und das Klima von morgen zuständig ist?“ Dem schloss sich Jan Fleischhauer im „Spiegel“ an, er gestand, dass er Maxeiner und Mirsch kenne, gar schon mit ihnen zusammengearbeitet habe. Davon werde er „dem Präsidenten der Bundesumweltkammer, Jochen Flasbarth, sofort Meldung erstatten“. Der bzw. das Amt schweigt, es hat nur auf Anfrage der „Frankfurter Rundschau“ verlautbart, seine Bewertung der publizistischen Klimaskeptiker sei schließlich „nicht ehrabschneidend“.

 

E-Mails: juergen.langenbach@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2013)

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