Krugman bekommt 25.000 Dollar fürs Nichtstun

Ökonom Paul Krugman soll Ungleichgewichte beim Einkommen untersuchen. Und erhält dafür enorm viel Geld.

Es gehört zu den wenigen Dingen, bei denen sich wirklich fast alle Ökonomen der vielen verschiedenen (sich oft widersprechenden) Schulen einig sind: Das Vermögen ist weltweit sehr ungleich verteilt. Ob das nun gerecht oder ungerecht ist, liegt zwar im Auge des Betrachters. Aber die Masse derer, die „den Reichen“ per Steuer und/oder Enteignung ans Konto wollen, wird immer größer. Die Stimmung ist aufgeheizt.

Nicht zuletzt, weil auch prominente Ökonomen wie Paul Krugman sich des Themas angenommen haben und die wissenschaftliche Grundlage für Forderungen nach verstärkter staatlicher Zwangsumverteilung von Reich zu Arm liefern. Krugman ist immerhin Nobelpreisträger und Kolumnist der „New York Times“. All das ist schön und gut – auch, dass Krugman mit alldem wohl ziemlich viel Geld verdient. Es gehört aber zu den eindeutigen Folgen der aufgeheizten Stimmung, dass Gehaltsdetails von Prominenten in der Öffentlichkeit debattiert werden – oft mit einem eindeutig neidischen Unterton, der sich als „Streben nach Gerechtigkeit“ zu tarnen versucht.

Und aus dieser Perspektive betrachtet, hat der Blog „Gawker“ mit dieser Story den Jackpot geknackt: Paul Krugman bekommt am neuen Zentrum für Einkommensforschung der öffentlich finanzierten (!) City University of New York einen Professoren-Job, für den er ab 2015 die erkleckliche Summe von 25.000 Dollar (18.000 Euro) pro Monat kassiert. Und wofür? Fürs Nichtstun. Zumindest anfänglich.

Ganz genau: Wie dem offiziellen Schreiben der Universität an den Ökonomen zu entnehmen ist, wird Krugman anfangs schlicht dafür bezahlt, Paul Krugman zu sein – anders gesagt: dafür, dass die CUNY sich mit seinem Namen schmücken darf. Ab Jahr zwei muss Professor Krugman dann einen Kurs pro Semester halten – dafür bekommt er auch ein Büro und sogar einen „Personal Computer“ von der Uni, wie in dem Brief festgehalten wird.

All diese Dinge sind weder verwerflich noch problematisch, sie geben jedoch ein sehr, sehr schiefes Bild ab von einem Institut, das Ungerechtigkeiten bei Einkommen untersucht.

In aller Fairness: Die Uni macht aus alledem kein Geheimnis und hat aus nicht näher zu klärenden Gründen nicht nur das Schreiben an Krugman im Internet veröffentlicht – sondern auch alle E-Mails, die zu Krugmans Engagement geführt haben. Diesen kann man sehr eindeutig entnehmen, dass das „Zentrum für Einkommensforschung“ sich beim Engagement des Ökonomie-Superstars von Anfang an weit aus dem Fenster lehnt: Immerhin kommen zum Gehalt noch 20.000 Dollar für Umzug und Forschungsreisen. Insgesamt kassiert Krugman mehr als das Vierfache eines durchschnittlichen New Yorker Haushaltseinkommens.

Mit der „Gawker“-Story hat der Shitstorm, der jetzt über die Uni fegt, wohl erst begonnen. Das dürfte Direktorin Janet Gornick nicht gemeint haben, als sie im Februar an einen Kollegen bezüglich des Krugman-Engagements schrieb: „Ich bin begeistert. Für die Uni und für die weltweite Debatte über Ungleichheit bei Einkommen.“

E-Mails an: nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2014)

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