Amazon macht jetzt Gewinn - aber nicht in Österreich

Nach heftiger Kritik an Steuertricks verbucht der US-Onlinehändler seine Gewinne erstmals nicht mehr über eine Zwischenfirma in Luxemburg.

(c) REUTERS (RICK WILKING)

Es ist schon ein Jammer: Da machte man in Deutschland im vergangenen Jahr rund zwölf Milliarden Euro Umsatz – aber am Ende blieb nicht ein einziger Cent, den man den Steuerbehörden als Gewinn hätte melden können. Gutgläubige könnten meinen, dass das Geschäftsmodell des Internethändlers Amazon in Deutschland wirklich verdammt schlecht ist. Weniger Gutgläubige dagegen wissen, dass das Steuermodell ein verdammt gutes ist.

Trotz der Milliardenumsätze und der Millionengewinne muss die US-Firma dank einer raffinierten Konstruktion in ganz Europa kaum Steuern bezahlen. Wie das genau geht, hat die „Süddeutsche Zeitung“ im Rahmen des Luxemburg-Leaks-Steuerskandals aufgedeckt.

Amazon hat zwei Firmen in Luxemburg, die helfen, die europäischen Gewinne kleinzurechnen. Einmal Amazon EU Sàrl – das kennt jeder, der seine Rechnungen vom Internethändler genauer anschaut. Denn wer beispielsweise in Österreich seine Waren bei amazon.at einkauft, kriegt sie zwar aus einem Verteilerlager aus Linz oder direkt aus Deutschland zugestellt. Die Rechnung lautet aber stets auf Amazon EU Sàrl. Bei dieser Firma fließen die Gewinne aus allen europäischen Staaten zusammen.

Doch Amazon EU Sàrl muss seine Profite an die Amazon Europe Holding Technologies SCS überweisen. Das ist die zweite Luxemburger Firma, und diese hat einen entscheidenden Vorteil, weil sie laut „Süddeutscher Zeitung“ die Rechtsform einer geschlossenen Kommanditgesellschaft hat: Sie muss ihre Gewinne nicht versteuern. Doch sie sind ohnehin kaum vorhanden, weil eine Lizenzgebühr an Amazon abgeführt und ein Kredit, den sich das Unternehmen selbst gegeben hat, zurückbezahlt werden muss.

Für 2009 sah die Gewinn-Verlust-Rechnung der Amazon EU Sàrl so aus: Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro standen unter anderem Ausgaben für Produkte (3,9 Milliarden Euro), für Lizenzgebühren (519 Millionen Euro) und Zinszahlung für den Kredit gegenüber. Am Ende blieb ein Verlust von 2,7 Millionen Euro. Armes Amazon!

Amazon ist nicht das einzige US-Unternehmen, das seine Auslandsgewinne kleinrechnet. Nicht anders machen es Starbucks, Apple, Google oder Microsoft.

Ein beliebter Trick, dessen sich unter anderem Starbucks bedient, nennt sich „Double Irish with a Dutch Sandwich“ und funktioniert stark vereinfacht so: Eine Firma gründet zwei Töchter in Irland, die eine verwaltet Lizenzgebühren, der anderen, die ihren Stammsitz auf den Bermudas hat, gehören die Lizenzen. Die US-Mutter verlangt nun über die Firma auf den Bermudas so hohe Lizenzgebühren von seinen europäischen Unternehmen, dass diesen am Ende kein Gewinn bleibt. Da Irland mit den Niederlanden ein Abkommen hat, das Lizenzgebühren von Steuern ausnimmt, gehen die Gebühren für die Lizenzen an die Niederlande, von dort zurück nach Irland und dann auf die Bermudas – und am Ende fallen so gut wie keine Steuern an.

Die Steuertricksereien sind seit vielen Jahren bekannt. Die Debatte wurde aber nach den Luxemburg-Leaks (die auch den EU-Kommissionspräsidenten und ehemaligen Premier von Luxemburg, Jean-Claude Juncker, in Bedrängnis brachten) so öffentlich geführt, dass den betroffenen Unternehmen ihre Tricks peinlich wurden. So peinlich, dass Amazon jetzt erstmals seine Gewinne zumindest teilweise in jenen Ländern versteuert, in denen sie anfallen.

„Seit 1.Mai verbucht Amazon seine deutschen Verkäufe nicht mehr wie bisher in Luxemburg, sondern in Deutschland“, bestätigte ein Sprecher der „Süddeutschen Zeitung“. Er begründet die Umstellung nicht mit der wachsenden Kritik an der Konzernpraxis, sondern damit, dass man „regelmäßig die Firmenstrukturen überprüft, um sicherzustellen, dass wir unsere Kunden bestmöglich bedienen können“. Die Kundenfreundlichkeit wird zweifellos auch dadurch erhöht, dass die EU Ermittlungen gegen Amazon und andere US-Unternehmen wegen ihrer Steuerpraxis aufgenommen hat.

Die neue Steuerregelung gilt außer in Deutschland auch in Italien, Spanien und Großbritannien. In Österreich wird Amazon offiziell weiterhin keinen Gewinne schreiben, obwohl man hierzulande 2013 (neueste Zahlen) einen Umsatz von 343 Millionen Euro gemacht hat.

E-Mails an:norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2015)

Kommentar zu Artikel:

Amazon macht jetzt Gewinn - aber nicht in Österreich

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen