Europa verbrennt in Paris – oder ertrinkt es im Mittelmeer?

Misstöne rund um Notre-Dame: In Italien fragt man sich, ob Kunstwerke wichtiger sind als Menschenleben. Eine nur scheinbar schräge Debatte.

FRANCE-FIRE-NOTRE DAME
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Notre-Dame stand am Montagabend in Flammen. Ein "symbolischen Schlag ins Herz Europas"? – APA/AFP/EDOUARD MAGRINO

Paris ist eine Messe wert, wusste schon Heinrich IV. Die Reaktionen auf den Brand von Notre-Dame waren: ein betroffenes Miserere, ein Credo an die Werte des Abendlandes, ein Sanctus auf das wenige, was uns noch allen heilig ist, und ein Gloria auf Feuerwehrleute und Spender. Und endlich ein verhaltenes Hosianna, weil die angesengte Kathedrale immerhin noch steht. Harmonie und Wohlklang erscholl aus den medialen Trompeten des Planeten. Doch halt: Es gab auch Misstöne.

Vor allem in Italien. Die Schriftstellerin Michela Murgia zeigte sich genervt vom Pathos der „Apokalyptiker des Dachstuhls“, die in dem Unfall einen „symbolischen Schlag ins Herz Europas“ sehen. In Paris gab es keinen einzigen Toten.

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