Nachhilfe aus Wellington

Den Umgang mit Terror, mit Attacken dieser Dimension ist das friedfertige Neuseeland nicht gewöhnt – und dennoch bewies das Land Größe.

Als ein Rechtsterrorist im März in Christchurch zwei Moscheen angriff und 51 Menschen umbrachte, lähmte das die Öffentlichkeit; die Menschen brachten ihre Fassungslosigkeit, ihre Trauer und Solidarität auf berührende Weise zum Ausdruck. So auch Premierministerin Jacinda Ardern. Sie stand der betroffenen Gemeinde nicht nur bei, sie setzte sogleich Reformen um. Militärische Halbautomatikwaffen sind in der Folge verboten worden. Seit Samstag überwacht die Polizei nun die Einsammlung der Waffen– innerhalb von sechs Monaten sollen die Mordinstrumente, die auch der Attentäter verwendet hat, aus dem Verkehr gezogen werden. Die Waffenbesitzer erhalten eine Entschädigung, zuvor müssen sie sich zur Abgabe registrieren.

Es geht also. Strenge Gesetze lassen sich durchsetzen. Freilich ist Neuseeland nicht die USA, wo Waffenbesitz als historisches, gesetzlich verankertes Recht gilt und jede Reform kläglich scheitert. Ein wenig Nachhilfe aus Wellington würde Washington dennoch guttun.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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