Twitterdiplomatie

Man kann den Ärger von Donald Tusk über den US-Präsidenten gut verstehen.

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Twitter – REUTERS

Man kann den Ärger von Donald Tusk gut verstehen. US-Präsident Donald Trump hat es den Europäern in letzter Zeit nicht gerade leicht gemacht, die sonst übliche transatlantische Freundlichkeit aufrechtzuerhalten: Erst beschloss er, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Dann kündigte der US-Präsident Strafzölle gegen die europäischen Partner an und zog sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurück. Dass Trump zuletzt das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigte, wollte Ratspräsident Tusk wohl nicht mehr unkommentiert hinnehmen.

Wenige Stunden vor einem informellen Zusammentreffen der Staats- und Regierungschefs in Sofia sandte er einen selten undiplomatischen Tweet ab: „Mit solchen Freunden, wer braucht da noch Feinde?“ schrieb er in Anspielung auf „die letzten Entscheidungen von Trump“. Die EU könne dankbar sein: „Wir haben nun keine Illusionen mehr. Wenn du eine helfende Hand brauchst, findest du sie am Ende deines Arms.“

So ein Tweet ist schnell getippt, und er ist eine gute Möglichkeit, sich den Ärger von der Seele zu schreiben. In Sekundenschnelle erreicht er jene, die angesprochen sind, und jene, die für die weitere Verbreitung sorgen. Viele Politiker, allen voran Trump, bedienen sich des sozialen Mediums Twitter, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Doch es wäre wichtig, vor dem Absenden einer Nachricht noch einmal innezuhalten und sich über die Konsequenzen des Geschriebenen bewusst zu werden. Das Abfeuern zorniger Kurznachrichten hilft am Ende niemandem weiter – sondern vertieft nur das Zerwürfnis zweier Streitparteien.

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