Wir holen Sie aus der Montagmorgen-Lethargie!

Eine U-Bahn-Fahrt mit einem Kind kann sehr unterhaltsam sein. Sie aber auch sehr "piepsend" oder "quetschend" sein. In jedem Fall: aufregend.

U-Bahn in Wien
U-Bahn in Wien
U-Bahn in Wien – (c) Clemens Fabry (Presse)

Für die Mitreisenden ist es eine kleine Erheiterung zu Beginn der neuen Woche: Wenn mein Sohn und ich in die U-Bahn steigen, ist für eine unterhaltsame Fahrt gesorgt. Meist beginnt alles recht friedlich, das Kind winkt den Aussteigenden, die eher peinlich berührt als erfreut blicken, ich hieve den Wagen in den überfüllten Waggon und hoffe, dass mir jemand Platz macht. Minuten später weckt das ununterbrochene Piepsen des Türöffnerknopfes, den mein Sohn etwa fünfmal pro Sekunde betätigt, die ersten Fahrgäste aus ihrer Montagmorgen-Lethargie.

Ich erkläre dem Kind also mit sanfter Stimme – und unter launiger Beobachtung der Anwesenden – dass andere Passagiere die Verzückung über das nervende Geräusch kaum teilen dürften. Doch die Übung wird ohnehin nach zwei Stationen langweilig. Mein Sohn verlangt jetzt nach einem „Quetschi“, einem in einen Beutel praktisch verpackten Obstbrei, der an der oberen Öffnung durch Zusammenquetschen ausgesaugt werden kann. Noch größeren Spaß macht es jedoch, den Brei nicht auszusaugen, sondern durch Quetschen des Beutels auf das frische Gewand, den Wagen und die Finger zu verteilen.

Während ich in der überfüllten Tasche nach Feuchttüchern angle, hat mein Sohn schon eine andere Idee: Er will jetzt aus seinem Wagen steigen, denn Sitzen ist auf Dauer langweilig. Weil sämtliche Bestechungsversuche (Kekse! Erdbeeren!) scheitern und mir das Gebrüll im überfüllten Zug unangenehm ist, stolpert mein Kind im nächsten Moment durch den schaukelnden Waggon.

Bei der nächsten Station müssen wir endlich raus, und es ist ein kleiner Balanceakt, mit dem Kind an der einen und dem Wagen an der anderen Hand zum kleinen, aber einzigen Aufzug zu gelangen, wo bereits sieben Personen anstehen. Soweit sich das beurteilen lässt, sind sie alle gut zu Fuß und haben weder Kinderwagen noch Koffer oder anderes hinderliches Gepäck bei sich. Ich will schon fragen, warum sie nicht die fünf Schritte entfernte Rolltreppe nehmen, weil andere, die auf den Lift angewiesen sind, sonst ewig warten müssen - da fängt mein Kind an zu brüllen (jetzt hat er doch Hunger!). So beenden wir das morgendliche U-Bahnabenteuer ganz allein in diesem kleinen Aufzug, wo mein Sohn den Knopf nach oben drücken kann, sooft er will.

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