Das Donauinselfest ist nicht auszuhalten

Es ist eng, laut und stinkt. Und trotzdem gehen jedes Jahr hunderttausende Menschen auf die Donauinsel.

Es ist kein Vergnügen. Die kleinen Schritte auf den Zugangswegen Richtung Hauptbühne. Die Menschen, die plötzlich stehenbleiben und - in Ö3-Verkehrsfunksprech - den zähflüssigen Verkehr zum Stau machen. Dann auch noch die Musik, die von mehreren Bühnen gleichzeitig herandröhnt, als hätte man im Autoradio mehrere Sender auf einmal eingestellt. Und es wird auch nicht viel besser, wenn man dann vor einer der Bühnen steht: Ist ein Konzert gratis, ist es voll. Spielt dann auch noch eine Band, für die viele Menschen aktuell sogar bereit wären, Eintritt zu bezahlen, wird es noch voller. Wanda am Donauinselfest? Gemütlich wird das wohl nicht.

Nein, das Donauinselfest ist kein Vergnügen. Jedes Jahr kommt verlässlich der "nächstes Jahr tu ich mir das nicht mehr an"-Moment. Spätestens dann, wenn man in einem Busch in eine fremde Urinlacke gestiegen ist, würde man am liebsten sofort wieder abreißen. Es ist eng, es ist laut und es stinkt. Das macht doch keinen Spaß.

All das weiß man längst, wenn man aus der überfüllten U-Bahn steigt, um den Gänsemarsch zu einer der Bühnen anzutreten. Und doch ist man wieder gekommen. Denn irgendwo ist ja immer ein bisschen Hoffnung, dass es diesmal doch ein bisschen anders wird. Aber selbst wenn nicht, spätestens dann, wenn die Masse vor der Bühne kollektiv einen Refrain mitgrölt, ist man wieder ein bisschen versöhnt. Wenn der Blick in der Dämmerung auf den Horizont fällt, vorne auf den Kahlenberg, hinten auf den Millennium-Tower. Und wenn die anonyme Masse rund um einen zu Gesichtern wird, die einander anlächeln. Dann ist alles nicht mehr so schlimm.

Ja, das Donauinselfest ist eine Veranstaltung, die eigentlich nicht auszuhalten ist. Aber irgendwie ist es, auch wenn es zeitweise kein Vergnügen ist, schon ein Vergnügen. Also, bis am Abend bei Wanda!

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