"Ich hab's dir ja gesagt": Warum Kicker sich die Hand vor den Mund halten

In Spanien kann man lernen, was Lippenleser beim Fußball bringen: Entertainment trotz Niederlage.

Diego Costa und Fernando Hierro
Diego Costa und Fernando Hierro
Diego Costa und Fernando Hierro – REUTERS

Es ist nicht ganz so neu wie der Video-Schiedsrichter - aber noch immer eigenartig anzusehen. Die allermeisten Fußballer sprechen hinter vorgehaltener Hand. Sie haben Angst vor Lippenlesern. Nur wo sitzen diese Spione? Für wen arbeiten sie? Und wozu? Der ORF hat das "Dancing Stars"-Budget bisher nicht kürzen lassen, um sich Fußball-Lippenleser leisten zu können, die Arnautovic und Alaba beim Schmähführen zuzuschauen. Schade eigentlich. Aber unsere Kicker sind ohnehin nicht dabei in Russland.

Die Spanier auch nicht mehr. Deren Ausscheiden im Elferschießen gegen die Gastgeber hat aber gezeigt, warum die Spieler sich die Hand (fast immer) vorhalten. Am Tag nach der Katastrophe wurde eine Szene immer wieder im Spanischen Fernsehen gezeigt. Und mit "immer wieder" ist eine Dauerschleife von gut 24 Stunden gemeint. Es ist so: Spanien hatte vor dem Duell mit den Russen offenbar keine Elfmeter-Reihenfolge festgelegt. Als diese dann nach 120 Minuten Spiel diskutiert wurde, musste der als Heißsporn bekannte Diego Costa sich einmischen. Keine Hand der Welt hätte verdecken können, was seine Körpersprache verriet: Kollege Koke dürfe nicht schießen, so Costa zu Trainer Fernando Hierro: Der versemmelt das!

Es kam, wie es kommen musste. Koke vergab seinen Elfmeter. Und dann die Schlüsselszene: Costa tritt nach vor, wendet sich seinem Trainer zu und sagt - ohne Hand vor dem Mund: "Te lo dije" - "Ich hab's dir ja gesagt." Der Rest ist Geschichte. Spanien scheidet aus und die Lippenleser der Fernsehsender übernehmen. Nicht Pechvogel Koke, nicht die Leistung des russischen Goalies, und auch nicht, dass mit Iago Aspas noch ein Spanier verschossen hatte, war das Thema der nächsten Tage. Nein, nur die drei Worte, die in der Hitze des Gefechts ohne Handschutz mitgelesen wurden: "Te lo dije". Hierro ist inzwischen abgetreten. Costa ist zwar immer noch raus. Aber zumindest hat er recht behalten. Ist auch was. Und Spanien? Dort wird die WM jetzt einfach ignoriert. Die Lippenleser haben sich ohnehin einen Urlaub verdient.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Ich hab's dir ja gesagt": Warum Kicker sich die Hand vor den Mund halten

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.