Mesut Özil: Vom Verräter zum Widerstandskämpfer

„Wir stehen hinter dir, Mesut“, schreiben die türkischen Medien. Das war nicht immer so.

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Mesut Özil beim letzten WM-Gruppenspiel Deutschland gegen Südkorea. – APA/AFP/LUIS ACOSTA

Es ist kaum zu glauben, aber es gibt einen Aspekt in der Causa Mesut Özil, der noch von niemandem aufgegriffen wurde – nämlich seine durch und durch verlogene Vereinnahmung durch die Türkei im Allgemeinen und die türkischen Medien im Speziellen. Seit seinem Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft schwappt ja, wie man so schön sagt, eine Welle der Solidarisierung über ihn. Plötzlich ist er ein türkischer Volksheld, der Stolz der Nation im Ausland, der personifizierte Widerstand gegen die türkeifeindliche Stimmung in Europa.

Dass über ihn noch bis vor kurzem stets als Vaterlandsverräter gesprochen wurde und er in der Türkei jahrelang so etwas wie eine Persona non grata war, weil er sich einst für die deutsche statt für die türkische Nationalmannschaft entschieden hat, interessiert offenbar niemanden mehr. Sind die Tage, an denen er von den türkischen Fans 90 Minuten lang ausgebuht, beschimpft und aufs Übelste beleidigt wurde, wenn Deutschland gegen die Türkei gespielt hat, schon vergessen?     

Was Mesut Özil wohl denken mag, wenn er jetzt die Solidarisierungsbekundungen in den türkischen Zeitungen liest. Er ist sicher klug und reflektiert genug, um die Heuchelei zu durchschauen. Wenn nicht, sollte ihm jemand seine eigene, von wem auch immer geschriebene Rücktrittserklärung vorlegen. „Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, aber Immigrant, wenn wir verlieren“, steht darin. Ja, genau. Aber die Türken lieben dich, wie du bist?

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