Eltern fordern "ausländerfreies" Zimmer im Spital: Denken wir das zu Ende

In einer Brandenburger Kinderklinik wollten die Eltern eines schwer kranken Kindes den Chefarzt erpressen. Das kommt gar nicht so selten vor.

Krankenhauszimmer
Krankenhauszimmer
Die Eltern des Kindes forderten ein Spitalszimmer, in dem kein ausländisches Kind untergebracht ist. – Clemens Fabry

Die Nachricht ging am Freitag angesichts der Ereignisse in Chemnitz ein bisschen unter. In einem Brandenburger Kinderspital forderten die Eltern eines kranken Kindes den Chefarzt auf, ihm ein Zimmer zuzuweisen, in dem keine ausländischen Kinder untergebracht sind. Mit der Begründung, diese würden Krankheiten mitbringen. Andernfalls drohten sie damit, in ein anderes Krankenhaus zu gehen – obwohl das Kind soeben erst aus der Intensivstation entlassen wurde. Selbstverständlich ignorierte der Chefarzt diese fassungslos machende Forderung.

Tatsächlich häufen sich Vorfälle dieser Art. Auch in Österreich. Aber bleiben wir kurz bei diesem konkreten Fall. Wie reagiert die Klinikleitung in so einer Situation am besten? Schickt sie die Eltern und das schwer kranke Kind weg – und nimmt die gesundheitlichen Risiken in Kauf, die mit einer Verlegung verbunden wären? Was kann das Kind dafür? Oder kommt sie dem Wunsch nach und disponiert ein wenig um? Bringt beispielsweise ein ausländisches Kind in ein anderes Zimmer? Aber wie erklärt man das den Eltern dieses Kindes, ohne eine Eskalation zu provozieren? Lügt man sie einfach an und erfindet einen Grund, während man sein Berufsethos inklusive Selbstachtung aufgibt? Und welche Folgen hätten diese Entscheidungen für die – zumeist ethnisch vielfältige – Belegschaft einer Klinik? Zu welchen Konflikten können sie führen? Was bedeuten sie für das Klima an einem Ort, an dem Leben gerettet werden sollen?

Nun ging der Fall in Brandenburg Gott sei Dank glimpflich aus. Das Kind kam in ein Einzelzimmer, weil in der Klinik zu dieser Zeit kein anderes mit einem ähnlichen Krankheitsbild lag. Aber so viel Glück hat man nicht immer. Daher ist man als Elternteil – trotz verständlicher Ausnahmesituation in einem Krankenhaus – vielleicht gut beraten, sich die eben gestellten Fragen einmal vor Augen zu führen, bevor man Forderungen erhebt, die Ärzte, Pfleger und andere Eltern in ein unnötiges Dilemma stürzen können. Mal abgesehen davon, dass sie nicht erfüllbar sind.

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