Der "Equal Pay Day" ist Blödsinn, aber …

Frauen verdienen viel weniger als Männer. Aber vor allem deswegen, weil sie eben nicht die gleiche Arbeit machen. Die Frauenquote könnte daran etwas ändern.

A Woman's Job In Japan: Watch Kids, Care For Parents, Work Late
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Warum sind Frauen in Top-Jobs so dermaßen unterrepräsentiert? – Bloomberg

Es ist wieder soweit: Frauen arbeiten im Vergleich zu Männern ab 20. Oktober "gratis", ist in diversen Aussendungen zum "Equal Pay Day" zu lesen. Das ist natürlich ein Blödsinn. Zumindest wenn es um das Thema "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" für eine Bruttolohnstunde geht. Denn vergleicht man nicht nur den durchschnittlichen Stundenlohn sondern berücksichtigt, dass Frauen sich für andere Branchen entscheiden, durch Kindererziehung oft mehrere Jahre ausfallen und seltener Führungspositionen einnehmen, schrumpft der nicht erklärbare Gehaltsunterschied auf eine einstellige Prozentzahl zusammen. Immer noch ziemlich blöd für uns Frauen – aber lassen wir das für heute. Stellen wir uns stattdessen die Frage: Warum sind Frauen in Top-Jobs so dermaßen unterrepräsentiert? Ein Grund - und das haben zahlreiche Studien bewiesen - sind verhärtete Strukturen, die viel zitierte "gläserne Decke", auf die Frauen im Berufsleben stoßen. "Quotenfrauen" sollen das nun richten. Aber: Funktioniert das wirklich?

Blicken wir auf eine kleine Region in Europa, die lange Erfahrung mit der umstrittenen Quote vorweisen kann: Schon in den 1970er Jahren wurde sie im öffentlichen Dienst eingeführt. Nur, dass sie nicht Quote hieß, sondern "Ethnischer Proporz" und es nicht um Männer und Frauen ging, sondern um Deutsche und Italiener. Es war einer der Grundpfeiler des Südtiroler Autonomiestatuts. Als der Proporz verhandelt wurde, waren nämlich gut bezahlte Beamtenposten zu mehr als 90 Prozent in der Hand der italienischen Bevölkerung – obwohl es eine deutschsprachige Mehrheit gab. Italiener stellten eben lieber Italiener ein. Das Verhältnis hat sich erst nach und nach angepasst, als das Land neue Stellen anteilig an den Bevölkerungsgruppen ausgeschrieben hat.

Bei der Einführung war der Widerstand groß: Gegner argumentierten, dass sich keine geeigneten Bewerber finden würden. Deutschsprachige würden sich eben besser mit Landwirtschaft und Tourismus auskennen. Viele fürchteten um die Qualität. Manche warnten, der Proporz würde einen noch größeren Keil zwischen die Bevölkerung treiben. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?

Fakt ist: Südtirol – wo am Sonntag gewählt wird – hat sich seither gut entwickelt. Weder gab es schwere ethnische Unruhen, noch ist die Verwaltung zusammengebrochen. Natürlich hat der Proporz Schwachstellen, musste teilweise (etwa im Gesundheitsbereich) aufgeweicht werden. Heute halten immer mehr Menschen die Quote für überflüssig, aber eben gerade deswegen, weil sie ihren Job gemacht hat: Sie hat die Strukturen aufgebrochen. Warum sollte das bei einer Frauenquote anders sein?

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