Eltern, schmeißt eure Smartphones weg!

Nein, es muss nicht ganz so radikal sein. Aber ein paar Gedanken über unsere blicklose Gesellschaft müssen erlaubt sein.

Symbolbild
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Symbolbild – (c) APA/dpa/Wolfram Steinberg (Wolfram Steinberg)

Neulich in der U-Bahn: Eine Mutter steht vor dem Kinderwagen und blickt verzückt drein. Ach wie schön, sollte man meinen. Naja, nicht so ganz. Die Mutter flirtet nicht mit ihrem Kind, sondern mit ihrem Smartphone. Einige Tage später, ein ähnliches Bild. Ein junger Vater wischt über sein Handy, den suchenden, fast flehenden Blick seines Sohnes im Kinderwagen bekommt er nicht mit. Dann der Hoffnungsschimmer: Nach zwei U-Bahn-Stationen packt er das Smartphone weg und albert mit seinem Kinder herum. Geht doch! Kurz darauf folgt aber der Griff in die Hosentasche und der Kontrollblick auf das kleine Display - das Kind ist schon wieder getrennt von seinem Vater - und bleibt es auch die nächsten Minuten.

Babys und Kleinkinder suchen mit ihren Augen nach Kontakt, während ihre Eltern Kontakt haben, bloß nicht mit ihnen. Was wird das aus uns und unseren Kindern machen, dieses Großwerden auf der Rückseite irgendwelcher Smartphones und Tablets? Woran sollen sich die Kinder künftig orientieren in dieser blicklosen Gesellschaft? Wie sollen sie Bindung aufbauen? Wie sollen sie Sicherheit finden in diesen ersten Monaten, in denen jeder visuelle Eindruck, jedes Geräusch eine neue, oft auch beängstigende Erfahrung sind?

Nun soll man technologische Entwicklungen nicht verdammen, sie haben schon immer die Gesellschaft verändert. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Mal ehrlich: Wer will seinen Kindern bloß als tippende und wischende, gebückte Gestalt mit leerem Blick in Erinnerung bleiben, die nur dann seelig lächelt, wenn sie eine neue WhatsApp-Nachricht erhält? Na eben.

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