Eine "Flühlingslolle" bitte

Während Experten schon vom "chinesischen Jahrhundert" sprechen, ist das Wissen der Österreicher über die aufstrebende Supermacht gering.

Statt die chinesische Kultur ernst zu nehmen, machen wir uns in Österreich lieber über die „Flühlingslolle“ lustig.
Statt die chinesische Kultur ernst zu nehmen, machen wir uns in Österreich lieber über die „Flühlingslolle“ lustig.
Statt die chinesische Kultur ernst zu nehmen, machen wir uns in Österreich lieber über die „Flühlingslolle“ lustig. – (c) imago/Westend61

Die Große Mauer, gebratener Eierreis mit Stäbchen, Glückskeks: Das Wissen der Österreicher über China ist gering. Das ist kein Vorurteil, sondern traurige Realität. In der Politik, in Unternehmen, an Stammtischen lässt sich seit Langem beobachten: Die Volksrepublik wird – zu Unrecht – unterschätzt.

Denn mit ungeheuren finanziellen Ressourcen und einem gigantischen Humankapital rückt die chinesische Führung ihrem selbst erklärten Ziel, die Volksrepublik zu einer wirtschaftlichen, politischen und technologischen Supermacht zu machen, Schritt für Schritt näher. Während Experten bereits vom „chinesischen Jahrhundert“ sprechen, mangelt es hierzulande aber an Bewusstsein, was in dem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern vor sich geht.

Zwar scheint die österreichische Regierung spätestens seit dem „Staatsbesuch der Superlative“ im April Wett machen zu wollen, was sie bis dahin versäumt hat. Dass etwa zum ersten Gipfel anlässlich der sogenannten Seidenstraßenitiative, Chinas Infrastrukturprojekt für ein vernetztes Eurasien, im Jahr 2017 kein österreichisches Regierungsmitglied nach China reiste, ist auf chinesischer Seite selbst mehr als ein Jahr danach noch Thema.

Doch im Rest des Landes manifestiert sich das mangelnde Bewusstsein über die aufstrebende Macht auch an Kleinigkeiten. Wie spricht man nochmal Xi Jinping, den Namen des mächtigsten Mannes der Welt, aus? Und Huawei, den weltweit größten Telekomausrüster, der mit seinen Smartphones auch in Österreich Apple und Samsung Konkurrenz macht?

Statt diese fremde Kultur, mit der wir uns in Zukunft - ob wir wollen oder nicht - befassen werden müssen, ernst zu nehmen, machen wir uns in Österreich lieber über den chinesischen Verkehrsminister "Um-Lei-Tung" lustig. Oder über die „Flühlingslolle“. Der Chinese ums Eck ist oft der einzige Berührungspunkt, den wir mit China haben. Dabei hat es hier offenbar Tradition, die Ignoranz gegenüber China mit ein wenig Überheblichkeit zu überdecken. Über die „drei Chinesen auf dem Kontrabass...“ haben wir ja schon im Kindergarten gelernt.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Eine "Flühlingslolle" bitte

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.