Sparen zahlt sich nicht aus? Tun Sie es trotzdem!

Angesichts von Nullzinsen wirkt der Weltspartag wie ein Hohn. Doch der grundsätzliche Gedanke dahinter ist heute vielleicht noch wichtiger als früher.

Wer nicht gerade dringend billige Buntstifte oder eigenartiges Handy-Zubehör aus Plastik benötigt, kann seine Bankfiliale heute getrost links liegen lassen. Denn obwohl Weltspartag ist, sind die Angebote der Banken bei der wirklich wichtigen Frage - der Höhe der Zinsen - nach wie vor bescheiden. So bieten sogar kleine auf Privateinlagen spezialisierte Institute gerade einmal 0,3 bis 0,4 Prozent an. Wer Kunde bei den Platzhirschen ist, sollte angesichts von Zinsen in der Größenordnung von 0,01 oder 0,02 Prozent für täglich fällige Spareinlagen beim Schalter am besten gleich einmal nach der Lupe fragen.

Sparen zahlt sich nicht aus. Zumindest nicht, wenn es darum geht, einen Kapitalgewinn zu erzielen. Und ja, angesichts der Inflation ist es sogar ein Verlustgeschäft. Jeder Euro, der nicht sofort ausgegeben wird, verliert laufend an Wert. Wie Obst, das auch schlechter wird jeden Tag, den es anstatt gegessen zu werden in einer Schale liegt. Verantwortlich dafür sind natürlich nicht die heimischen Banken. Die können angesichts der Nullzinspolitik der EZB hier gar nicht anders agieren. Und auch diese Politik ist - wiewohl sie langsam geändert gehört - aufgrund der Krise dem Grunde nach berechtigt gewesen.

Die Angst vor der Börse

Man könnte an dieser Stelle nun darüber philosophieren, warum die Österreicher trotz dieser Voraussetzungen nach wie vor eine ausgeprägte Kapitalmarkt-Aversion haben und ihr Geld nicht in wesentlich gewinnträchtigere Investments wie Aktien stecken. Im Vergleich zu anderen Nationen wie den Briten und Holländern aber auch den Finnen lassen die Menschen zwischen Bregenz und Eisenstadt auf diesem Weg jedes Jahr Millionen wenn nicht gar Milliarden liegen.

Auch könnte hier ein Aufruf stehen, der Inflation ein Schnippchen zu schlagen und das Geld so schnell wie möglich auszugeben. Angesichts der sich langsam eintrübenden Konjunktur wäre ein zusätzlicher Anschub durch den privaten Konsum eine gern gesehene Unterstützung für die heimische Volkswirtschaft.

Das Sammeln des Erarbeiteten

Doch es soll hier eine Lanze für das Sparen gebrochen werden. Denn beim Sparen geht es nicht nur um zusätzliche Kapitalgewinne, sondern um das Sammeln des Erarbeiteten, bevor damit größere Anschaffungen finanziert werden. Eine wichtige Eigenschaft, die anscheinend zunehmend in Vergessenheit gerät. So schlagen sowohl Finanzmarktaufsicht als auch Schuldnerberatung seit längerem Alarm, dass die Zahl der Konsumkredite in Österreich rasant wächst. Niedrige Zinsen verlocken also dazu, Fernseher, Möbel und sogar Urlaube auf Pump zu konsumieren. Sobald die Konjunktur wieder schwächer wird und die Arbeitslosigkeit wächst könnte es eine neue Welle an Privatkonkursen geben, so die Befürchtung.

Aber auch abseits dieser ganz konkreten Thematik hilft die Wartezeit beim Sparen vielleicht, ein wenig über die Bedürfnisse und deren Befriedigung zu reflektieren. Ist alles notwendig was gewünscht wird, oder kann hier auch beim Ressourcenverbrauch gespart werden? Und was ist es eigentlich, was im Leben wirklich wichtig ist? Eine Frage, die nicht nur am Tag vor Allerheiligen Berechtigung hat.

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