Populismus zum Selbermachen

Das Onlineportal YouTube zeigt vor, wie Volksverführung funktioniert.

YouTube gilt gemeinhin als erste Anlaufadresse, wenn es darum geht, einen Sachverhalt erklärt zu bekommen. Von Kochrezepten über Schminktipps bis hin zu Anleitungen für Computerspiele – kein Hobby ist zu obskur, keine Nische zu klein, um nicht gewürdigt zu werden.

Mit seiner Kampagne gegen die EU-Urheberrechtsreform betritt das Onlineportal Neuland – und führt in Echtzeit vor, aus welchen Zutaten Volksverführung zusammengebraut wird: Man nehme ein gutgläubiges, aber schlecht informiertes Publikum (die jugendlichen YouTube-Fans), entwerfe ein grotesk überzeichnetes Bedrohungsszenario fern jeglicher Realität (das Ende des Internets), gebe gesichtslosen Eliten im Ausland (die EU-Kommission) die alleinige Verantwortung für die drohende Apokalypse – und kehre dabei die eigenen Interessen (hohe Gewinnmargen, die auf laxem Umgang mit fremdem geistigem Eigentum basieren) unter den Teppich. Fertig ist der Populismus zum Selbermachen.

Und wer sich an dieser Stelle über die Leichtgläubigkeit der durch das Internet gehirngewaschenen Teenies aufregt, möge sich an seine Echauffiertheit erinnern, wenn es das nächste Mal darum geht, dass uns die EU die Sommerzeit wegnehmen wolle.


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