Gibt es nur mehr rosarot und babyblau?

In der Kindermode herrscht strikte Geschlechtertrennung, sehr zur Freude des Handels: Mädchen tragen rosa, Buben blau. Wie langweilig!

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Rosarot: die dominierende Farbe im Kleiderschrank kleiner Mädchen – (c) imago/BE&W (imago stock&people)

Es gibt zwei Eingänge: einen für Buben und einen separaten für Mädchen. Nein, wir sprechen hier nicht von einem Schulgebäude anno 1950, sondern von dem Onlineversand eines Handelsriesen anno 2018. Denn in der Kindermode herrscht strikte Geschlechtertrennung. Für die ersten paar Lebensmonate eines Kindes gibt es noch Unisex-Kleidung, aber spätestens wenn das erste Löffelchen Brei aus dem Säugling einen Beikostesser macht, ist es vorbei mit geschlechtsneutraler naturfarbener Bio-Baumwolle.
 
Ein simpler weißer Body? Den gibt es mit blauen Bündchen (für Buben) oder mit Spitzeneinsatz (für Mädchen). Ein T-Shirt? Gerade geschnitten (Buben) oder tailliert mit gerafften Ärmeln (Mädchen). Eine graue Haube? Mit Strickblume (Mädchen) oder Lederaufnäher (Buben). Strumpfhosen im Dreierpack? Wählen Sie zwischen grau/grau/rosa (Mädchen) oder grau/grau/blau (Buben). Gatschhosen? Gibt es entweder in beere (= dunkelrosa) oder indigo (= dunkelblau).  

Was ist mit gelb, grün und orange, türkis oder braun? Nicht ohne rosa/blau in Kombination!

In Geschäften sieht es kaum besser aus. Auch beim Spielzeug, ja selbst beim Kinderbesteck wird streng getrennt: die gibt es mit Prinzessinnen-Aufdruck oder mit Autos.
 
Der Handel profitiert freilich: so können die kleinen Geschwister, wenn sie nicht das gleiche Geschlecht haben, kaum Kleidung vom älteren Bruder oder der älteren Schwester nachtragen. Und alles muss doppelt gekauft werden.
 
Wobei es auch hier Unterschiede gibt: ein kleines Mädchen in dunkelblauer Hose, das geht ja noch. Aber ein kleiner Bub mit pinker Jacke? Sapperlott, der wird im Kindergarten schief angeschaut! Dabei sind die Mädchensachen oft teurer als die für Buben, aber das nur nebenbei.
 
Selbst wenn man sich vornimmt, die eigenen Kinder nicht nach Klischee einzukleiden, kommt man am Rosa-Blau-Wahnsinn nicht vorbei. Früher war das nicht so arg, glaubt man. Da hat der Bruder noch T-Shirts der Cousinen nachgetragen, denn Bunt ist Bunt und das können wohl alle Kinder anziehen.
 
Gilt das Gebot der Gleichberechtigung nicht auch für Farben? Oder ist es bloß – wie so oft bei Kindern – nur eine Phase? Eines sollten die ständig nach Marktlücken suchenden Kindermoden-Designer bedenken: Irgendwann wollen sich Kinder nicht mehr anziehen wie Disney-Prinzessinnen oder kleine Geschäftsmänner. In den Kindergärten und auf den Spielplätzen sähe es dann sicher schöner aus: nämlich bunt!

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