Wer Visionen hat . . .

Andrä Rupprechter hat es vorgegeben: Der ländliche Raum muss gestärkt werden! Damit meinte er nicht Schrattenberg bei Poysdorf oder Klaffer am Hochficht. Er meinte: Klosterneuburg!

Blick auf (das Stift) Klosterneuburg
Blick auf (das Stift) Klosterneuburg
Blick auf (das Stift) Klosterneuburg – (c) Clemens Fabry (Presse)

Andrä Rupprechter ist unvergessen. Der Mann sorgte schon mit seiner Angelobung als Landwirtschaftsminister 2013 dafür, dass diese an sich wenig nervenzerfetzende Veranstaltung ein Hit wurde. „Vor dem heiligen Herzen Jesu Christi“, ergänzte der Tiroler die Angelobungsformel vor dem damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer, der als Nicht-Tiroler kurz das Herz-Jesu-Land verorten musste.

Seine Bekanntheit enorm steigern konnte Rupprechter, als er für sein Ministerium die landwirtschaftliche Marschroute vorgab: Der ländliche Raum muss gestärkt werden! Damit meinte er nicht etwa Schrattenberg bei Poysdorf, Wildendürnbach oder Klaffer am Hochficht. Seine Vision bezog sich auf  . . . Klosterneuburg!

Das ist jene Stadt, die wenige Autominuten hinter der Wiener Stadtgrenze im Speckgürtel liegt und bei Maria Gugging eine renommierte Elite-Universität beherbergt. Dorthin, nämlich nach Klosterneuburg, wollte der Landwirtschaftsminister das Umweltbundesamt mitsamt seinen 500 Mitarbeitern übersiedeln, „um den ländlichen Raum zu stärken“, wie er sagte. Auf die Frage von ORF-Moderator Armin Wolf, ob die etwas sinnbefreite Übersiedlung doch noch gestoppt wird, falls Wien entsprechende Angebote für den Verbleibt des Umweltbundesamtes unterbreitet, antworte Rupprechter 2017 in einem denkwürdig-skurrilen ZiB2-Interview mit: : „Wenn...“ – „Ja, wenn...“ – „Gut, also das war's für mich jetzt....“ – „Wenn!....“.

Aber Visionen leben lange. Denn Wien hat mehrere entsprechende Angebote unterbreitet. Trotzdem ist weder eine Absage der Übersiedlung über die Stadtgrenze ergangen, noch die Ankündigung einer visionären Stärkung des ländlichen Raums mit einer Standortverlegung des Umweltbundesamtes nach Klaffer am Hochficht. Vielmehr wurde am Freitag diese verhaltensoriginelle Interpretation einer Belebung des angeblich ländlichen Raums, also eine Übersiedlung zur Universitätsstadt Klosterneuburg, offiziell fixiert.

Nur: Wenn es bei dieser Entscheidung wirklich um die Forcierung des ländlichen Raums geht: Wäre der Kräuterkirtag in Klaffer am Hochficht nicht mehr förderungswürdig?

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