Das Leben nach Roger Federer

Mit den Australian Open beginnt die wahrscheinlich letzte Saison des 20-fachen Grand-Slam-Siegers. An die Zeit danach will man gar nicht erst denken.

TENNIS-AUS-OPEN
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Roger Federer spielt ab heute bei den Australian Open in Melbourne. – APA/AFP/ASANKA BRENDON RATNAYAKE

Der Gedanke daran tut schon weh. Die heute beginnenden Australian Open dürften wohl die letzten mit Roger Federer sein. Seine Turnierplanung und so manches andere deuten darauf hin, dass der 37-Jährige seine Karriere im Laufe des Jahres beenden wird. Möglicherweise im Herbst rund um sein Heimturnier in Basel. Als Fan bleibt einem bis dahin nur, jedes Turnier so bewusst wie möglich zu verfolgen und zu versuchen, sich an seinem so beispiellosen Spiel sattzusehen.

Denn nach ihm steht es nicht allzu gut um den Tennissport, der – das wird niemand leugnen – in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv an Strahlkraft und Attraktivität verloren hat. Die Asse wurden mehr, die Ballwechsel kürzer, spektakuläre Schläge seltener. Das Spiel ist zu athletisch geworden, zu steril, zu brutal. Alles auf Kosten der Technik und Strategie. Mit dem Künstler Federer als große Ausnahme.

Eigentlich ist es hauptsächlich ihm und seiner Rivalität mit Spielern wie Hewitt, Nadal, Djokovic und Murray (der verletzungsbedingt ebenfalls heuer aufhören will, wie er am Freitag unter Tränen bekanntgab) zu verdanken, dass Tennis weltweit immer noch so hoch im Kurs ist. Das wird sich nach seinem Abschied ändern.

Ja, das Wimbledon-Finale wird immer noch ausverkauft sein. Alle anderen Finale auch. Und Dominic Thiem wird ein paar Grand Slams gewinnen. Aber ob es noch einmal jemanden geben wird, für den man mitten in der Nacht aufsteht, obwohl man am nächsten Tag in die Schule oder zur Arbeit muss? Jemanden, den man spielen sieht und sofort einen Tennisplatz für den nächsten Tag reserviert, weil man vor Energie vibriert? Jemanden, nach dessen Siegen man stundenlang euphorisch und nach Niederlagen tagelang lustlos ist? Jemanden, dessen Bewegungen und Schläge man zu imitieren versucht – und kläglich scheitert?

Mit Federer verlässt die Tennisbühne etwas, das zurückzubringen für die nächste Generation um Chatschanow, Zverev, Shapovalov und Tsitsipas keine leichte Aufgabe sein wird: Inspiration.

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