Die Freiheit, die sich Prinz Philip herausnimmt

Der Unfall des 97-Jährigen hatte auch sein Gutes: Die Briten diskutierten endlich wieder einmal über die Royals statt nur über den Brexit. Dafür ist die Königsfamilie schließlich unter anderem ja auch da.

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APA/AFP/POOL/ALASTAIR GRANT

Wer, wenn nicht die Royals könnten die Briten vom leidigen Brexit-Thema ablenken, das heute wieder an der Tagesordnung in Westminister steht? In den Augen der Öffentlichkeit ist die Königsfamilie auch fürs Amüsement zuständig, und die Yellow Press greift dies auch stets dankbar auf. Prinz Philip ist demnach weiterhin der ungekrönte König der Fauxpas, obgleich er in Prinz Harry, seinem Enkel, einen würdigen Nachfolger gefunden hat.

Am Wochenende starrte der 97-jährige Patriarch der „Firma“ - so die interne Bezeichnung für die Windsors – von den Titelseiten der Londoner Boulevardblätter. Zwei Tage nach seinem Unfall, bei dem er sich überschlug, wie zum Wunder unverletzt blieb und auch sonst niemand zu größerem Schaden kam, war der Duke of Edinburgh wieder hinter dem Steuer eines brandneuen Landrovers -  diesmal mit Sonnenbrille zum Schutz vor den Paparazzi, und der fahlen englischen Wintersonne, aber neuerlich ohne Gurt. Dabei hatte ihn die Polizei nach seinem Ausritt ermahnt, sich anzuschnallen. Doch wer Gemahl der Queen ist und Sturkopf obendrein, lässt sich eben nichts sagen – es sei denn von Königin Elizabeth selbst, wie professionelle Royal Watcher munkeln.

Im Vereinten Königreich, das derzeit wahrlich andere Sorgen hat, ist eine Debatte losgebrochen, ob Senioren – und erst recht Methusalems wie Prinz Philip - noch fahrtüchtig sind. Dass der Prinz, ein ehedem schneidiger Offizier und flotter Fahrer, noch eigenhändig fährt und noch dazu ohne Begleitung von Bodyguards, hat die britische Öffentlichkeit einigermaßen überrascht. Wobei sie von ihm Überraschungen durchaus gewohnt ist. Als die Obamas vor Jahren auf Schloss Sandringham zu Besuch waren, staunten sie nicht schlecht, als ihnen der Duke of Edinburgh persönlich im Auto eine Führung gab. Ganz wohl war ihnen bei der Sache angeblich nicht.

Nur die Queen genießt das Privileg, ohne Führerschein zu fahren. Vielleicht sollte sie ihrem freiheitsliebenden Mann auf die sanfte, diplomatische Tour überreden, um der Sicherheit willen auf automobile Ausflüge zu verzichten und auf die Dienste des Chauffeurs zu vertrauen – außer auf Forst- und Privatstraßen im schottischen Hochland nahe des Sommersitzes Balmoral, wo er allenfalls Wild und sich selbst gefährdet.

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