Was, dein Mann darf in Karenz gehen?

Dass ein Mann bei den Kindern daheim bleibt, sorgt auch 2019 noch für Verwunderung. Warum eigentlich? Es gibt keine guten Argumente gegen die Väterkarenz.

++ THEMENBILD ++ PAPAMONAT
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Viele Väter würden gerne in Karenz gehen – (c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Man hört es doch erstaunlich oft: „Was, dein Mann darf in Karenz gehen? Bei uns ginge das nicht ...“ Viel hat sich verändert in den letzten Jahren. Aber wenn Nachwuchs kommt, sind die Rollen meist klar verteilt: Mama sorgt fürs Kind, Papa verdient das Geld. Danach sind die Karenzmodelle ausgerichtet, auch vom Umfeld wird das erwartet. Die Politik diskutiert nun ein Papamonat. Schön. Einen Monat gemeinsam mit der Mama daheim, das ist zwar richtig und wichtig und eine „unbezahlbare Erfahrung“, wie Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) weiß. Die wahre Herausforderung ist aber: Mama geht arbeiten und Papa sorgt für die Kinder. Allein.

Nur „dürfen“ die erschreckend oft nicht, wie eine kleine Umfrage unter Müttern im Bekanntenkreis ergab: Der Chef (seltener: die Chefin) erlaube es nicht, erzählen dutzende. Die Argumente gleichen einander – und lassen sich durchaus entkräften.

Es geht nicht, weil …

… er eine Führungskraft ist. Eine Mutter, selbst in einer Managementposition, argumentiert dagegen: Gerade als Chef sollte man delegieren können, dafür hat man ja Mitarbeiter.

… die Firma zu klein ist. Freilich, in einem Drei-Mann-Betrieb ist es schwierig, wenn jemand monatelang ausfällt. Aber was wäre, wenn der Mann einen Unfall hätte oder krank wäre? Oder der Mann eine Frau wäre? Dann ginge es doch auch.

… es zu schwierig ist, für die Abwesenheit einen Ersatz zu finden. Freilich, geht ein Mann nur zwei Monate in Karenz, zahlt es sich kaum aus, jemanden auf dessen Posten einzuschulen. Die Lösung wäre: er bleibt länger bei den Kindern. Wenn sich die Familie das leisten kann. Siehe nächster Punkt.

… es sich finanziell nicht ausgeht. Das liebe Geld. In vielen Familien verdienen die Frauen weniger, daher schmerzt es mehr, wenn das Gehalt des Mannes ausfällt. Die Politik könnte freilich gegensteuern und finanzielle Anreize setzen. Hätte sie Interesse daran, dass auch Männer sich um die Kinder sorgen.

… weil er sonst seinen Job verliert. Erschreckend ist, wie viele im Bekanntenkreis erzählen, dass den Männern unverhohlen mit Kündigung gedroht wurde. Nach dem Motto: wenn du jetzt gehst, brauchst du gar nicht mehr zurückkommen. Auch das wäre eine Aufgabe für die Politik: Belohnt die Väter, die daheim bleiben (finanziell)! Schützt unsere Männer (vor Kündigung)! Damit mehr eine „unbezahlbare Erfahrung“ machen dürfen.

… weil er ein Mann ist. Was hörte der Mann einer Bekannten, als er im Betrieb nach Karenz fragte? „Dafür haben's ja eh eine Frau.“ Was soll man darauf antworten? „Sehen Sie die Zeitmaschine dort hinten? Die bringt Sie in die Fünfziger zurück, wo Sie und Ihre Ansichten sicher gut aufgehoben sind.“

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