Schau mir in die feministischen Augen, Kleines

Schokolade, Blumen, Candlelight-Dinner – am Valentinstag haben generische Zuneigungsbekundungen Hochkonjunktur. Die kitschigen Gesten sind nur vermeintlich harmlos. Sie beklatschen eine für Frauen gefährliche Schieflage.

APA/AFP/STR

Die Welt könnte ein bisschen mehr Liebe vertragen, ganz klar. Man verwechsle sie nur nicht mit der romantischen Liebe, diesem sehnsuchtsbehangenen Phantasma, das eine ganze Industrie als Rattenschweif nach sich zieht. Erinnert sich noch jemand an die Retroserie „Mad Men“? Zumindest die mokanten Sprüche ihres Helden Don Draper haben sich tief ins popkulturelle Gedächtnis eingeschrieben. „Das, was Sie Liebe nennen, wurde von Leuten wie mir erfunden, um Nylonstrümpfe zu verkaufen“, raunt der Werber einmal seinem Date über den Tisch hinweg zu. Diese Sichtweise mag zynisch oder abgeklärt erscheinen und vielleicht tut sie auch ein bisschen weh, aber so ist das eben mit den unangenehmen Wahrheiten.

Am Valentinstag feiern nicht nur Blumeneinzelhandel, Chocolatiers und neuerdings Vorhängeschlosshersteller die Erfindung der romantischen Liebe. Der 14. Februar bietet Paaren die Gelegenheit, ihre Beziehung zu ritualisieren – und zwar ganz im Sinne der patriarchalen Idee. Die Frau lässt sich erobern und freut sich darüber, auserwählt worden zu sein. Als Dank bekommt sie, spätestens dann, wenn gemeinsame Kinder auf die Welt kommen, den Rucksack mit all der unbezahlten Familienarbeit umgehängt. Was tut man nicht alles aus Liebe, oder? Die Latte für Männer hingegen hängt tief. Nur an einem einzigen Tag im Jahr sollten sie sich an die Sache mit Amor erinnern und die Liebste mit einem Strauß Blumen oder einer Schachtel Pralinen überraschen. Doch was ist diese Geste angesichts der lange noch nicht erreichten Gleichberechtigung, wenn nicht zynisch?

Aber keine Sorge! Niemand muss heute auf den traditionellen Liebesbeweis verzichten. Die Auswahl an Geschenken, die dieser Absicht auch wirklich gerecht werden, ist groß. Wie wär‘s zum Beispiel mit einem Eintrag ins Grundbuch oder in den Mietvertrag? Oder Sie überreichen beim zweisamen Abendessen eine Liste mit konkreten Vorschlägen, wie die Haushaltslast fairer geregelt werden kann. Sie bevorzugen es extravaganter? Ein unterschriebener Antrag auf freiwilliges Pensionssplitting für die Jahre der Kindererziehung verfehlt seine Wirkung garantiert nicht. Versprochen.

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