Besucherrückgang in Kinos: Sind österreichische Regisseure schuld?

Die schlechte Bilanz 2018 wird auch heimischen Filmemachern in die Schuhe geschoben. Was eine besonders seltsame Form der Undankbarkeit ist.

Der Boden unter den Füßen
Der Boden unter den Füßen
Valerie Pachner in Marie Kreutzers neuem Film "Der Boden unter den Füßen". – Juhani Zebra/Novotnyfilm

Seit Jahresbeginn vergeht kaum eine Woche ohne Aussendungen über die enttäuschende Kinobilanz in den Bundesländern. Am Montag war Vorarlberg an der Reihe und meldete für 2018 das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren. Langsam dürften wir alle durch haben.

Als Begründung werden zumeist der (alle paar Jahre vorkommende) Jahrhundertsommer, die Fußball-WM und die zunehmende Konkurrenz durch Streaming-Dienste angegeben. Beklagt wurden aber auch fehlende Blockbuster – aus Österreich. Zu viele heimische Regisseure würden Filme für sich selbst machen, nicht für das Publikum, lautete die Kritik. Soll heißen: Statt Arthouse-Filmen sollten mehr kommerziell ausgerichtete Filme produziert werden.

Kaum zu glauben, dass so eine unqualifizierte Forderung ausgerechnet aus der Branche kommt. Als wäre es so leicht, mit einem österreichischen Film einen Publikumshit zu landen. Mit den bescheidenen – finanziellen und infrastrukturellen – Mitteln, die hier zur Verfügung stehen und die sich auch noch zum allergrößten Teil aus öffentlichen Förderungen zusammensetzen. Mit der Konkurrenz aus dem Ausland. Mit der anerzogenen, geringen Wertschätzung gegenüber heimischen Filmen – wenn sie etwa im Fernsehen nach 22 Uhr ausgestrahlt werden und man sich dann über die schwache Quote wundert.

Unter diesen Umständen kann der österreichische Film nur auf sich aufmerksam machen, indem er aus der Not eine Tugend macht und auf Originalität, Wagnisse und Experimente setzt. Worin ihm der internationale Festivalerfolg auch recht gibt. Bei der am Wochenende zu Ende gegangenen Berlinale war erneut ein heimischer Spielfilm im Wettbewerb vertreten. Marie Kreutzers „Der Boden unter den Füßen“, der auf den großen Festivals noch für viel Furore sorgen und das viel zitierte „Filmwunder Österreich“ weltweit bewerben wird. Und der zusammen mit den vielen anderen österreichischen Filmen auch zur besseren Kinobilanz 2019 beitragen könnte, wenn man sie nicht nur in einigen wenigen Kinos zeigen würde. Und immer nur vor 19 Uhr. Anstatt sich Gedanken über den Filmgeschmack des Publikums zu machen, sollten Kinobetreiber und Filmverleiher auf eine ausgewogenere Programmplanung achten. Eine, die den heimischen Film fördert. Und wenn schon nicht fördert, dann zumindest nicht sabotiert.

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