Wenn das Joghurt im Urlaub bunter ist

Gleiche Marke, gleiche Verpackung, andere Zusammensetzung: Eine Studie entlarvt Tricks der Lebensmittelkonzerne. Warum nicht alles allen gleich schmeckt.

Nicht alles, was einem komisch vorkommt, bildet man sich nur ein. Sie kaufen etwa nach dem Campingurlaub in Italien dasselbe Sugo derselben Marke in einem österreichischen Supermarkt und es schmeckt irgendwie anders. Oder andersrum: Die Kinder wollen im Urlaub dasselbe Joghurt wie daheim essen: Es heißt gleich, ist gleich verpackt, aber schmeckt in Griechenland fast fremd. Auch die Farbe wirkt intensiver.

Was man als interessante Urlaubsbeobachtungen verbuchte, wurde nach Protesten aus osteuropäischen EU-Ländern zum Politikum. Der Vorwurf der ex-kommunistischen Länder: Internationale Konzerne verkauften in ihren Ländern minderwertigere Ware, nach dem Motto: Die Menschen seien ohnehin nichts Besseres gewohnt. Die konkreten Vorwürfe bezogen sich etwa auf Palmöl statt Butter oder geringeren Schokoladeinhalt in Schnitten.

Eine von der EU-Kommission veröffentlichte Studie zeigt nun, dass die Beschwerden nicht etwa auf einen Verfolgungswahn der neueren EU-Mitglieder zurückgeht, denen gerne Minderwertigkeitskomplexe unterstellt werden. Rund ein Drittel von Markenslebensmitteln, die EU-weit verkauft werden, unterscheiden sich demnach bei identischem Namen und gleicher Verpackung tatsächlich in Inhaltsstoffen – allerdings nicht nur zwischen West und Ost, sondern auch zwischen Norden und Süden und querbeet.

Verändert wird offenbar nach mehreren Kriterien: Einerseits gibt es kulturelle Unterschiede bei Geschmäckern, so isst man in dem einem Land gerne süßer, in anderen salziger, buttriger oder bitterer. Dass Kaffeebohnen von Land zu Land unterschiedlich stark geröstet werden, ist ja bekannt. Darüber hinaus wird bei der Qualität selbst offenbar dann geschummelt, wenn es nicht auffällt. Heißt: Bei der Arrabiata kann man Italienern nichts Minderwertiges unterjubeln, bei der Gulaschsuppe den Österreichern nicht. Es hängt auch davon ab, wie Produkte bei der Markteinführung geschmeckt haben. Wenn sie schon Generationen geprägt haben (Nutella, Ketchup, Eis), ist eine Veränderung schwieriger.

Die Studie bringt mehr Licht in handelsübliche Tricksereien, die zwar nicht illegal, aber zumindest klärungsbedürftig sind. Nur mit dem Gefühl erklären lässt sich das Phänomen, wonach die Flasche des Lieblingsweins, die man aus dem Urlaub mitgenommen hat, daheim nicht mehr so gut schmeckt. Es fehlt das Salz in der Luft, der Ausblick, das Zirpen der Zikaden. 

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