Gewerkschafter statt Quereinsteiger

Die Bundesliste für die Nationalratswahl dokumentiert: Von (einer) Bewegung kann in der SPÖ keine Rede sein.

Sebastian Kurz hat die Nationalratswahl 2017 auch deshalb gewonnen, weil seine Kampagnenstrategen den Eindruck erweckt hatten, als gäbe es da eine Bewegung, die Kurz ins Kanzleramt tragen wolle. Ein wesentlicher Teil davon waren bekannte Nicht-Politiker, die sich den Türkisen angeschlossen hatten - der Mathematiker Rudolf Taschner etwa oder Opernballorganisatorin Maria Großbauer.

Die Grünen haben mit Sarah Wiener als Co-Spitzenkandidatin bei der EU-Wahl keine schlechten Erfahrungen gemacht, weshalb das Modell Quereinsteigerinnen nun auch im Nationalratswahlkampf zur Anwendung kommt. Und auch die Neos vergeben eine "Wildcard" fürs Parlament, beim letzten Mal an Irmgard Griss, dieses Mal womöglich an Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter (der sich in einem demnächst erscheinenden Buch an Sebastian Kurz und Herbert Kickl abgearbeitet hat).

Und die SPÖ? Setzt auf Gewerkschafter, Ex-Minister und die Chefs der Teilorganisationen, wie die Bundesliste für die Nationalratswahl dokumentiert. Die größte Überraschung ist noch, dass Juso-Chefin Julia Herr an wählbarer Stelle gereiht wurde. Keine Frage: Quereinsteiger sind keine Garantie für einen Wahlerfolg und in der Vergangenheit oft gescheitert. Aber ein Signal der Öffnung sind sie schon - zumal in Zeiten, in denen die klassischen Parteien an Zustimmung verlieren. So gesehen kann von (einer) Bewegung in der SPÖ keine Rede sein. Eher schon von Stillstand.

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