Die Salzburger Festspiele und der Seelenfrieden der Einheimischen

Das Festival steht wieder in den Startlöchern. Von der Wien-Dominanz zum unbedingten Starprinzip.

Aufbauarbeiten für die 'Jedermann'-Bühne. Am Samstag ist es soweit, das Vorspiel der Festspiele steht an.
Aufbauarbeiten für die 'Jedermann'-Bühne. Am Samstag ist es soweit, das Vorspiel der Festspiele steht an.
Aufbauarbeiten für die 'Jedermann'-Bühne. Am Samstag ist es soweit, das Vorspiel der Festspiele steht an. – APA/BARBARA GINDL

Zwei Eröffnungsreden müssen wir noch über uns ergehen lassen. 2020 wird es heißen: 100 Jahre Salzburger Festspiele. Demnach müsste heuer das 100. Festival über die Bühnen gehen, aber das stimmt nicht ganz, denn in den Anfängen waren sich vor allem die Salzburger nicht ganz sicher, ob sie so viel Kultur zur Sommerszeit überhaupt ertragen möchten. Es dauerte ein wenig, bis die Festspielgründer Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt über ihren „Jedermann“-Erfolg hinaus noch Jahr für Jahr Theater- und Musikveranstaltungen anbieten durften, die mit der Zeit immer mehr Fremde in die Stadt lockten.

Das mit den Fremden mochten die Einheimischen erst zögerlich und nach sorgfältiger Prüfung der Kasseneingänge akzeptieren. Und dann war da noch etwas: Es waren verdächtig viele Wiener, die sich hier wichtig machten. Vom Burgtheater und von der Staatsoper kamen die Kräfte, um derentwillen das Publikum herbeiströmte.

Eine erste lange Nase durfte man denen aus der Hauptstadt drehen, als mit Arturo Toscanini ein wirklicher Weltstar erschien, um mit internationalen (und auch ein paar Wiener) Kräften zu beweisen, wo der Kulturgott wirklich wohnte. Das unbedingte Starprinzip hatte Einzug gehalten. Und es wirkte. Plötzlich strömte ein wirklich internationales Publikum. Für eine Marlene Dietrich als Festspielgast hätte man damals schon die „Seitenblicke“ erfinden müssen. Die Euphorie hielt aber nur zwei, drei Jahre an, so lange, bis auch Salzburg zum Deutschen Reich gehörte.

Nach dem Krieg dauerte es dann wieder, bis man den rechten Weg gefunden zu haben glaubte: Eine allzu starke Zuwendung zur zeitgenössischen Kunst schien eher kontraproduktiv. Aber mit Herbert von Karajan war bald der neue Gott gefunden. Er regierte gleichzeitig die Wiener Oper, womit die Vorherrschaft der Philharmoniker auf lange Zeit  einzementiert schien. Der goldbringende Superstar wandelte auf wienerischem Teppich – wiederum war es nur der Kassenrapport, der für den Seelenfrieden der Einheimischen sorgte.

Hoch schlug dann aber manches salzburgische Herz, als der Belgier Gerard Mortier mit dem absoluten Startheater auch die Wien-Dominanz beerdigte. Endgültig. Dass heuer das Freiburger Barockorchester die erste Opernpremiere begleitet, ist Zeichen dafür, wie nachhaltig dieser Tabubruch war. Die Salzburger Festspiele sind damit jedenfalls auf eine bestimmte Weise „internationaler“ geworden. Auch heuer steht sogar das eine oder andere Event auf dem Programm, das man anderswo so oder so ähnlich schon erlebt haben mag oder bald erleben wird – zum Teil sogar in Wien . . .

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