Legen Sie los, Herr Selenskij!

Das Lager des Präsidenten hat die gestrige Parlamentswahl in der Ukraine haushoch gewonnen. Zeit hat er keine zu verlieren.

Die Ukrainer sind keine Zauderer. Zunächst machten sie im April mit Wolodymyr Selenskij einen politisch Unerfahrenen zu ihrem Präsidenten, nun werden seine Abgeordneten im Parlament die Mehrheit stellen.

Man sollte sich nicht täuschen: Die ukrainischen Wähler sind getrieben von Misstrauen. Weil sie unzufrieden sind mit ihrer persönlichen Lage, weil sie finden, dass in ihrem Land bisher zu viel falsch gelaufen ist, haben sie für Selenskij und seine Mannschaft gestimmt.

Diese Mixtur aus Hoffnung und Fatalismus hat sich in ein starkes Votum übersetzt. Zeit gibt es keine zu verlieren. Denn die Bürger sind ungeduldig. Selenskij muss schnell eine Regierung bilden. Und ernst machen mit seinen Ankündigungen von Korruptionsbekämpfung, Transparenz, Bürgernähe und Wirtschaftsentwicklung. Sonst könnte es ihm bald ergehen wie den vielen anderen gefallenen politischen Ikonen vor ihm.

Einfach wird sein Weg nicht: Das Team ist disparat, die inhaltliche Linie vage. Selenskijs Leute werden mit starkem Gegenwind der Opposition – nationalkonservativ und prorussisch – zu kämpfen haben. Und genau hier wartet auch die erste Prüfung: Der neue Präsident wäre nicht der erste, dem seine Ziele abhanden kommen und der sich im postsowjetischen Nullsummenspiel verliert: dem „Ausschalten“ realer oder imaginierter Gegner. Doch das wäre nicht der neue Stil, den er versprochen hat.

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