Was Banksy, Küken und die ÖVP gemeinsam haben

Wie gut stehen eigentlich die Chancen dafür, dass „schreddern“ das Wort des Jahres 2019 wird?

Da redet jahrelang kein Mensch drüber, und dann geht es plötzlich zack-zack-zack... gut, das war ein billiger Einstieg, aber tatsächlich hat das Wort „schreddern“ in den vergangenen Monaten eine Karriere in der öffentlichen Wahrnehmung hingelegt, die man ihm nicht zugetraut hätte. Erinnern wir uns:

  • Im Juni 2018 wurde bekannt, dass der Versandhändler Amazon offenbar massenhaft Retouren schreddert. Und das betraf nicht nur unbrauchbare Produkte, sondern auch funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte - von Handys bis zu Tablets, von Kühlschränken bis zu Waschmaschinen. (Und Amazon ist mit dieser Praxis offenbar nicht allein - auch die britische Edelmarke Burberry ließ 2017 nagelneue Kleidung und Kosmetika im Wert von 28,6 Millionen Pfund (32 Millionen Euro) in den Schredder wandern.
  • Im Oktober 2018 ließ Aktionskünstler Banksy sein Bild "Girl with a Balloon“ per Fernsteuerung schreddern, unmittelbar, nachdem es im Auktionshaus Sotheby's für umgerechnet knapp 1,2 Millionen Euro verkauft worden war.
  • Im Juni 2019 fällte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Urteil, dass männliche Küken weiter geschreddert werden dürfen. Zumindest vorläufig, so die Argumentation des Gerichts, nämlich bis es alternative Methoden gibt, dürfen damit pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet werden, die dummerweise keine Eier legen können und damit wirtschaftlich nicht verwertbar sind.
  • Und nun spricht Österreich seit Tagen über die sogenannte Schredder-Affäre - ein Mitarbeiter des damaligen Bundeskanzlers, Sebastian Kurz, ließ im Juni 2019, kurz nach Auffliegen der „Ibiza-Affäre“ von Regierungspartner FPÖ fünf Festplatten aus dem Bundeskanzleramt ziemlich auffällig unauffällig - gleich mehrmals - schreddern. Und löste damit eine Debatte darüber aus, ob die ÖVP irgendetwas zu verheimlichen hat.

Eigentlich wäre „schreddern“ ja ein Kandidat für das Wort des Jahres, das gerade per Vorwahl im Internet ermittelt wird. (Ein ganz normaler Vorgang, übrigens, nur dass er heuer wegen der politischen Brisanz schon vier Monate früher gestartet ist.) Allein, da ist ein Schönheitsfehler: Banksy, Amazon  & Co waren halt schon 2018. Und außerdem gibt es mit Ibizagate, zack-zack-zack und Altkanzler doch ziemlich heftige Konkurrenz. Schade um die Idee, eigentlich. Also ab damit in den Schredder.

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