Der Naschmarkt lernt, wie der Markt funktioniert

Die Zahl der Besucher an der bis vor kurzem beliebtesten Standlermeile der Stadt geht zurück, nicht nur an Hitzetagen.

Symbolbild: Naschmarkt
Symbolbild: Naschmarkt
Symbolbild: Naschmarkt – (c) Clemens Fabry, Presse

Muss man sich um den Wiener Naschmarkt Sorgen machen? Weil er zuletzt hinsichtlich der Besucherzahlen Platz eins an den Brunnenmarkt abgeben hat und auf Rang drei abgerutscht ist. Und weil die Standler klagen. Über die von der Stadt Wien vorgeschriebenen Muss-Öffnungszeiten, über die Schließzeiten, über deren Kontrolle, über zu viele Touristen, die Snaps aber keinen Umsatz machen, über die U4-Baustelle, über die zu erwarteten Staus wegen des neuen Wienzeile-Radwegs, über das Wetter, über - die Schlechtigkeit der Welt.

Geschäftsleute in Wien neigen grundsätzlich eher zum Jammern oder zumindest Tiefstapeln. Immerhin, Neid gilt hier als nicht unbekannte Eigenschaft. Ebenso wenig wie das Phänomen der Marktverzerrung in Gestalt SPÖ-naher Hintermänner, die bei Standvergaben ein wichtiges Wort mitzureden haben.

Als Peitsche nützen

Dass die Zahl der Besucher auf dem Wiener Naschmarkt zurückgeht, ist nüchtern besehen jetzt nicht die ganz große Katastrophe. Zumindest dann nicht, wenn die Entwicklung als Peitsche gesehen wird, sich Strategien zu überlegen, den Hänger zu überwinden oder sich damit unter dem Motto Klasse statt Masse abzufinden. Auch ein Markt - man könnte in Wien sagen, gerade  ein Markt - ist kein wirtschaftlicher Selbstläufer. Möglich, dass der Naschmarkt zum  Opfer seines eigenen Erfolgs wurde. Dass tatsächlich nicht einkaufende Touristen die einkaufenden Wiener vertrieben haben. Doch, wäre das Angebot tatsächlich so unwiderstehlich, wer weiß…

Raunzen hilft maximal der Psychohygiene. Der Naschmarkt  lernt soeben, wie der Markt funktioniert. Der ist unerbittlich. Und hat im Zweifelsfall immer recht.

 

 

 

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