Bitte nur nichts ändern!

Es ist eben auch eine Form von Freiheit, mit Traditionen zu brechen. So, wie es das Europäische Forum Alpbach heuer bei der Eröffnung vorgemacht hat.

Aufstehen, duschen, Zähne putzen. Schon erledigt? Natürlich. Diese rituellen Abläufe geben Sicherheit. Man kann nichts von dem vergessen, was notwendig und wichtig ist. Andere Riten überleben nicht, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind, weil sich ihr Sinn niemandem mehr erschließt oder weil sie keinen Menschen mehr glücklich machen, etwa jedes Jahr im Urlaub an den gleichen Strand zu reisen. Es ist eben auch eine Form von Freiheit, mit solchen Traditionen zu brechen.

So, wie es das Europäische Forum Alpbach heuer bei der Eröffnung vorgemacht hat. Ja, die Schützen waren dabei. Ja, die Musikkapelle hat gespielt. Immerhin sind sie für das Leben in der Berggemeinde wichtig. Aber sie standen am traditionellen Eröffnungstag, dem „Tiroltag“, nicht mehr im Mittelpunkt. Sondern das Programm richtete sich an den Interessen der Hauptakteure aus: den einheimischen wie auswärtigen Gästen des Forums, die sich heuer Gedanken rund um das Generalthema „Freiheit und Sicherheit“ machen. Für sie skizzierte Forums-Präsident Franz Fischler den Kontext. Für sie las Philosophie-Professor Josef Mitterer einen Text von Ágnes Heller. Jene Gedanken, die sich die im Juli verstorbene Philosophin zu Freiheit und Sicherheit gemacht hatte.

Sich um den Kern der Dinge zu kümmern, ist das, was zählt (und ist möglicherweise ein guter Vorsatz für die neue Woche). Das aber ist anstrengend. So anstrengend wie der Abschied von jener Tradition, die in nur einem Satz zusammengefasst ist: „Das haben wir immer schon so gemacht.“

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