Jerome Powell kann nur verlieren, das ist Donald Trump geschuldet

Egal, was der US-Notenbankchef in seiner mit Spannung erwarteten Rede sagt, er wird es dem Präsidenten nicht recht machen können — und den Börsianern auf Dauer auch nicht.

US-Präsident Donald Trump und Jerome Powell.
US-Präsident Donald Trump und Jerome Powell.
US-Präsident Donald Trump und Jerome Powell. – REUTERS

Alleine streiten ist langweilig, doch Donald Trump lässt sich nicht beirren. Jerome Powell habe keine Ahnung, er sei verrückt geworden, und so weiter, und so fort. Der US-Präsident hat sein Opfer gefunden, nahezu täglich setzt es verbale Attacken. Und was tut der Notenbankchef? Zum Thema Trump schweigt er eisern. Dem obersten Geldpolitiker entkommt kein schlechtes Wort. Schon fad irgendwie.

Auch heute in Jackson Hole wird Powell die Politik nicht kommentieren, dafür die Welt wissen lassen, wie es geldpolitisch weitergeht. Zinssenkungen stehen im Raum, der letzte Schritt im Juli war nicht genug. Das sieht die Börsenwelt so, das sieht mittlerweile auch die Fed so, und das sieht natürlich Donald Trump so, obwohl ihn eigentlich keiner gefragt hat.

Jedenfalls kann Powell nur verlieren. Senkt er die Zinsen nicht oder nur langsam, wird er für den Wirtschaftsabschwung, der irgendwann so sicher kommt wie das Amen im Gebet, verantwortlich gemacht werden. Reduziert er die Zinsen radikal, wird es heißen, er habe dem politischen Druck nachgegeben. Logisch, die Börsianer würden sich freuen, zumindest kurzfristig. Langfristig ist das keine Lösung, da ist der Ausgang des Handelskriegs mit China entscheidender.

Wer wissen will, was Sache ist, muss Powell zuhören. Trumps Reaktion ist irrelevant. Der Präsident wird den Fed-Chef in naher Zukunft nicht feuern (ob er das könnte, darüber streiten die Juristen. Die Antwort: eher nicht). Trump hat nach einem Sündenbock gesucht, und ihn gefunden. Wahltaktisch klug, eigentlich.

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