Erst Hirscher, dann Kickl

Zuerst die finale Abschiedsshow, dann das Polit-Drama: warum der Skistar am Mittwoch beim ORF aber Vorrang hat? Österreichs Politiker kennen den Rücktritt nicht.

Marcel Hirscher
Marcel Hirscher
Marcel Hirscher – (c) Gepa

Es wird Marcel Hirschers letztes großes Rennen sein. Österreichs Skistar wird Mittwochabend, zur TV-Primetime um 20.15 Uhr, bei einem Event in Salzburgs "Gusshaus" seinen Rücktritt verkünden. Seit Tagen herrscht deshalb bereits eine regelrechte Hysterie in Boulevardmedien, die sich bei "ihrem" Marcel für alle Erfolge bedanken, weinerlich Adieu winken und sich mit emotional-chauvinistischen Stories überbieten. Dabei wird er das einzig Richtige tun: er tritt am Höhepunkt ab ehe ihn die, die ihn jetzt noch preisen, für spätere Niederlagen verdammen.

Jetzt steigt auch der live übertragende ORF in diesen Slalom der Emotionen ein: die Talkrunde mit den Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl wird auf 21.05 Uhr (ORF2) verschoben. Gar keine Diskussion, so die Auskunft vom Küniglberg, die kleine "Elefantenrunde" startet nach Hirscher. Es geht um Quoten, um nichts anderes. 

Der achtfache Gesamtweltcupsieger und farblich unbelastete Sympathieträger gewinnt dieses Rennen ja auch locker; sogar mit Respektvorsprung. Und: für ORF und ServusTV hat die plakative Inszenierung dieses Werbeträgers Vorrang.

Ob das Beate Meinl-Reisinger (Neos), Peter Pilz (Jetzt), Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), Herbert Kickl (FPÖ), Werner Kogler (Grüne) und Karoline Edtstadler (ÖVP) verstehen? Womöglich nicht, warum denn? Freiwillig und zeitgerechte Rücktritte sind in Österreichs Politik eigentlich denkunmöglich.

Der 30-jährige Annaberger kommt folglich auch als Quereinsteiger nicht infrage. Der Erfolgsmensch will nur noch schleunigst raus aus diesem Rampenlicht - und echte Politiker hingegen, ob erfolgreich oder nicht, mit aller Macht immer wieder hinein.

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