Wie Konzertbesucher schikaniert werden

Zum Konzert von Ariana Grande durften Besucher nur durchsichtige Plastiktaschen mitnehmen. Ein weiterer Höhepunkt darin, wie dem Publikum das Konzerterlebnis verleidet wird.

Nennen wir es ein Luxusproblem. Aber große Konzerte sind mittlerweile nervtötend. Jüngstes Beispiel: Zum Wien-Auftritt von Ariana Grande in der Stadthalle am Dienstagabend durften die Besucher keine Rucksäcke oder Handtaschen mitnehmen - sondern nur durchsichtige Plastiktaschen. Oder alternativ, man kennt es von Flugreisen, durchsichtige Gefrierbeutel aus Plastik. (In denen dann alle Gegenstände einzeln und sichtbar transportiert werden müssen, vom Taschentuch bis zum Tampon.)

Nun mag man diese Sicherheitsmaßnahme verstehen, weil es ein Konzert von Ariana Grande war, bei dem im Mai 2017 in Manchester mehr als 20 Menschen durch den Anschlag eines Selbstmordattentäters starben. Und klar, man will verhindern, dass es noch einmal zu derart dramatischen Szenen kommt. Doch all das bekommt einen schalen Nachgeschmack, wenn auf der Sicherheitsinfo durchsichtige Plastiktaschen gezeigt werden, die in Ariana Grandes Onlineshop zu kaufen sind - für acht Dollar das Stück.

Die Info mit den Sicherheitshinweisen für das Konzert in der Wiener Stadthalle.
Die Info mit den Sicherheitshinweisen für das Konzert in der Wiener Stadthalle.
Die Info mit den Sicherheitshinweisen für das Konzert in der Wiener Stadthalle. – Live Nation

Aber Sicherheit hin und her, mittlerweile gehört schon sehr viel Duldsamkeit dazu, überhaupt noch auf ein Konzert zu gehen - oder auch eine andere Großveranstaltung. Tickets für manche Großkonzerte, zuletzt etwa für Rammstein, werden zum Beispiel mit dem Namen des Käufers versehen. Will man etwa krankheitshalber eine davon übernehmen, muss man es erst mühsam bei einem eigenen Schalter umschreiben lassen (mit Ausweiskopie der Person, die das Ticket gekauft hat und einer eigenen).

Und ja, auch diese Maßnahme hat einen sinnvollen Hintergrund. Damit soll verhindert werden, dass die Karten zu überhöhten Preisen auf diversen Internetportalen weiterverkauft werden. Aber als Besucher eines Konzerts muss man mittlerweile einen Hindernislauf durch Sicherheit und Bürokratie hinlegen, ehe man endlich vor der Bühne stehen darf. Und ja, nennen wir es ein Luxusproblem, aber wir haben doch gerade erst 50 Jahre Woodstock gefeiert. Und was ist heute eigentlich noch übrig geblieben vom Rock 'n' Roll?

 

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