Das Ende des Geldes, wie wir es kannten

Heute dürfte klar werden, dass es in Europa noch lange keinen Zins geben wird. Eine Entscheidung, die viele Österreicher direkt spüren werden.

EZB-Chef Mario Draghi.
EZB-Chef Mario Draghi.
EZB-Chef Mario Draghi. – APA/dpa/Arne Dedert

Während die öffentliche Debatte in Österreich langsam aber sicher in den Niederungen des Wahlkampfes versinkt, dürfte heute Nachmittag in Frankfurt eine Entscheidung fallen, die auf die meisten Einwohner dieses Landes wohl wesentlich mehr Einfluss hat, als das heimische Polit-Hick-Hack. So wird allgemein erwartet, dass Mario Draghi, der scheidende Chef der Europäischen Zentralbank, erstmals seit dem März 2016 wieder an der Zinsschraube dreht. Allerdings bedeutet das nicht, dass es zur noch vor einigen Monaten erwarteten Zinswende kommt. Im Gegenteil. Der seit drei Jahren bei null Prozent liegende Leitzins dürfte zwar unverändert bleiben, der sogenannte Einlagezins aber von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent weiter gesenkt werden.

Das bedeutet vordergründig, dass europäische Banken nun noch mehr dafür bezahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld bei der EZB parken. Für die Banken ein Problem, das sie indirekt wohl an ihre Kunden weitergeben werden. Noch wesentlich entscheidender ist für den Normalbürger jedoch, dass damit klar ist, dass es lange Zeit keinen Zins mehr im Euroraum geben wird. Denn anders als in den USA wurde diesseits des Atlantiks aus Rücksicht auf die hochverschuldeten Länder des Südens auch im jahrelangen Boom keine Normalisierung der Zinsen angegangen. Und nun, da die Rezession an die Tür klopft, wird diese auch nicht mehr kommen. Die schleichende Entwertung von Erspartem wird also noch lange weitergehen. Keine gute Nachricht in einem Land wie Österreich.

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