Die Pflaumen sind da!

Heilandzack (um einen Fluch aus Westösterreich zu bemühen), was das immer für ein affektiertes Sprachtheater gibt, wenn in einer heimischen Zeitung Wörter stehen, die in Wien unüblich sind.

Heilandzack (um einen Fluch aus Westösterreich zu bemühen), was das immer für ein affektiertes Sprachtheater gibt, wenn in einer heimischen Zeitung Wörter stehen, die in Wien unüblich sind. Da können diese Wörter in weiten Teilen, ja im Gros Österreichs noch so üblich sein, aber wenn sie's in Wien nicht sind, gelten sie dort auch gleich als nicht österreichisch und Piefkedeutsch; so viel zur anormal verkürzten heimischen Sprachweltsicht. Als also jüngst in diesem Blatt ein „Pflaumenkuchen“ vorkam, gab's Wickel, weil man in Österreich „Zwetschke“ oder „Zwetschge“ sage, hieß es.

Nun ja, wer dieser „man“ eigentlich ist, sei dahingestellt, ich kenn ihn nicht, weiß aber das: Auch Piefke sagen „Zwetschge“ – falls es wirklich eine ist, denn die Zwetschge ist nur eine Unterart der Pflaume (Prunus domestica), was wir seit Carl von Linné (1707–78) quasi amtlich haben. Die typische Pflaume (etwa die Edelpflaume) ist rund und ähnelt einer violetten bis gelbgrünen Marille. Zwetschken sind kleiner, länglich und laufen spitz zu.

Folgt: Jede Zwetschke ist eine Pflaume, aber bei Weitem nicht jede Pflaume auch eine Zwetschke. Weil das in Österreich ebenso gilt, gibt's auch hier Pflaumen. Auch bei uns kann eben eine Minderheit nicht repräsentativ für die Mehrheit stehen. WG


E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2013)

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