Skandal mit 30 Jahren Anlaufzeit

Da machte Peter Pilz große Enthülleraugen: Die Saudis haben österreichische Gewehre und schießen damit im Jemen! Nun ja: Die Geschichte hat einen ur-langen Bart - denn die Knarren haben sie dort schon seit drei Jahrzehnten.

Oh weh, da kann er noch so toben. Aber der Bart ist eben schon zu lang.
Oh weh, da kann er noch so toben. Aber der Bart ist eben schon zu lang.
Oh weh, da kann er noch so toben. Aber der Bart ist eben schon zu lang. – wikipedia/Alexander Zick

Jüngst stellte er ein Foto ins Internet, das saudische Soldaten im Jemen zeigt, die Rebellen bekämpfen, die im Vorjahr die legitime Regierung verjagt hatten. Und siehe: Diese Saudis haben österreichische Knarren umgehängt! AUG-Sturmgewehre von Steyr!! In einem kriegsführenden Land!!! Skandal!!!!

Schön: Endlich hat also jemand bemerkt, dass diese Scheichs, die an Waffen alles an sich raffen, was nicht niet- und nagelfest ist, auch dieses Gewehr, vulgo StG 77, haben – und das schon seit mittlerweile drei Jahrzehnten. Tatsächlich sind die AUGs auf dem Foto total 80s-Style. Mehr als 40 Staaten haben das AUG, einige ließen und lassen das Ding, das man unter anderem in Australien in Lizenz baut, sogar in echt schießen: etwa Pakistan, die USA, die Türkei, Neuseeland. Pfui! Ein Skandal aber auch, dass Waffen aus Österreich keinen Selbstzerstörungsmechanismus haben, wenn man sie wirklich benützen will. Aber das mit der eingebauten Freund/Feind-Erkennung funktioniert halt leider noch nicht so recht...

Beim Umsturz in Tunesien vor einigen Jahren sah man übrigens sehr oft, wie Soldaten mit AUGs gegen die bösen Geheimdienstler des gestürzten Despoten fochten. Dass dort einmal die Guten auch dank Waffen Made in A siegten, hat damals leider niemand enthüllt, auch wenn er/sie dachte, dass es doch sooo gewaltig nach Frühling, Demokratie und so weiter rieche. Also das war echt diskriminierend gegenüber Steyr! (wg)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2016)

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