Taferl-Legenden

Warum eigentlich glaubt alle Welt, Jörg Haider habe mit seinem berühmten Taferl 1994 den Rechberger-Skandal aufgedeckt?

Auch die Kollegen von der „Zeit im Bild 1“ erzählten das vorgestern zur besten Sendezeit. Und wiederholten das noch einmal in der „Zeit im Bild 2“. Doch die „ZiB“-Kollegen sind in guter Gesellschaft. De facto jeder, mit dem man seit Donnerstag über das Ableben Alois Rechbergers, der es vom Waisenkind zum steirischen Arbeiterkammerpräsidenten gebracht hatte, sprach, meinte: „Rechberger? Das war doch der mit dem Haider-Taferl.“

NEIN, war er nicht. Es war Kurt Zacharias, Kammeramtsdirektor der steirischen Arbeiterkammer und ebenfalls Privilegienritter und Gagenkaiser, dessen Bezüge 1994 von Jörg Haider im TV-Duell mit Franz Vranitzky per Taferl geoutet wurden. Die Rechberger-Affäre selbst war schon in den späten 80ern ruchbar geworden und dann 1990 vollends hochgegangen – ganz ohne Haider-Taferl.

Eine „urban legend“ nennt man das üblicherweise. In diesem Fall lässt sich aber schon von einer „nationwide legend“ sprechen. oli


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2009)

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