Im Schlagschatten

Kürzlich im Wiener Akademischen Gymnasium am Beethovenplatz.

Eine Buchpräsentation des Bestsellerautors Dietmar Grieser. Hochsommerliche Temperatur, die Fenster der altehrwürdigen Eliteschule sind sperrangelweit geöffnet. Aus einem Klassenzimmer tönt engelsgleicher Gesang. Chorprobe. Und während der Dichter über Schauplätze musikalischer Weltliteratur erzählt, schweift der Blick hinüber zum Hotel Intercont. Eine Bausünde, schon seit der Errichtung. Auf dem freien Gelände bis zum Konzerthaus ein unordentliches Sammelsurium aus Imbissstandeln und Getränkebuden, dazwischen chillende Großstädter. Einer Weltstadt beileibe nicht würdig. Einem ausländischen Besucher die imperiale Stadt von dieser Seite her zeigen? Lieber nicht.

In geraumer Zeit wird diese Gstätten richtig urban, sollte die Zivilgesellschaft nicht doch noch aufstehen und den gigantomanischen „Luxus-Wohnturm“ im letzten Moment verhindern. Das alte Gymnasium wird dann im Schlagschatten des Betonklotzes stehen und nie mehr unter Sonneneinstrahlung leiden. Das haben die nachfolgenden Schülergenerationen dem Schnäppchenjäger (Pardon, Investor) zu danken. Und somit werden sich alle freuen. Geschehen in der Abendsonne der Ära Häupl/Vassilakou. An der Gedenktafel wird schon gearbeitet. (hws)

Reaktionen an:hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2017)

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