Pizzicato

Donald, der Dichter und Deuter

Donald J. Trump, so viel lässt sich jetzt schon ohne Präjudiz sagen, wird dereinst nicht als größter Präsident in die Geschichte der Vereinigten Staaten eingehen – trotz gegenteiliger Einschätzung des aktuellen Amtsinhabers.

Doch „Donald, the one and only“ wird Heerscharen an „Shrinks“ beschäftigen, wie sie in New York Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeuten salopp nennen. Es wäre nicht weiter verwunderlich, würden sie bei seiner Obsession für Blut (in weiblicher Ausformung) und Genitalien (in männlicher Ausprägung) eine narzisstische Störung nach ihm benennen.

Jüngst tat sich der Präsident selbst wieder einmal als Küchenpsychologe hervor, als er das Glamourpaar des US-Fernsehens als „Psycho-Joe“ und „Crazy-Low-IQ-Mika“ apostrophierte. Zu Silvester wollte er indessen noch selbst die Hochzeit der MSNBC-Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski vornehmen.

Spätere Generationen werden Donald Trump vielleicht einmal als Twitter-Dichterfürsten und Übertreibungskünstler in Bernhard'schem Sinn wahrnehmen, dem Dichtung und Wahrheit in seinem Sturm und Drang, die Welt nach seinem Willen zu gestalten, durcheinandergeraten. Fürs Erste wäre es womöglich von Nutzen, einen Rat seines dieswöchigen Staatsgasts, des indischen Premiers Narendra Modi, zu beherzigen: Morgens Yoga statt Twitter. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2017)

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