Pizzicato

Nachruf auf zwei tote Wörter

Das Adjektiv „Jahr-2000-fähig“ hat die irdischen Gefilde des deutschen Sprachgebrauchs verlassen und ist in die Seelenhalle der unnütz gewordenen Wörter aufgestiegen.

Geboren im Fahrwasser der Furcht vor einem fatalen Computercrash, wurde das Wort 1998 fast „Wort des Jahres“ und schaffte im August 2000 – als sich die Angst längst als unbegründet erwiesen hatte – die Aufnahme in den Duden. Jahrelang führte es dort ein Schattendasein und konnte trotz anhaltender Retrowelle nicht zu alter Größe aufsteigen. Aus dem neuen Duden wurde es nun gestrichen.

Auch der „Goalmann“, Substantiv maskulinum, ausgesprochen Goimã oder Goolmaunn, ein österreichisches Synonym für Torwart, das in Leitmedien wie der „Presse“ nie Erwähnung fand, ist seinem langen Kampf gegen die Duden-Konkurrenz erlegen. Er wird von seinen Brüdern „Torhüter“, „Torwächter“ und dem kecken „Goalie“ überlebt. Dass er, anders als sie, in seiner Bedeutung über die Dorffußballplätze des Landes nicht weit hinauskam, hat er nie ganz verkraftet. „Ist es, weil ich Österreicher bin?“, soll er in seinen letzten Stunden gefragt haben. „Die Welt schaut nie auf Österreich, wenn es um Fußball geht!“

„Das ist es nicht“, sagte der Duden mit sanfter Stimme und prüft nun die Aufnahme eines Ersatzwortes: „Goalfrau“.

Reaktionen an: katrin.nussmayr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2017)

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