Pizzicato

Die Retter von der Rentner-Gang

Ciao Carlo“, sagte neulich Bayern München zu Trainer Carlo Ancelotti, dem Fußballsöldner mit dem Phlegma eines Brummbären aus den Abruzzen – und das, strafverschärfend, mitten im Trubel des Oktoberfests, bei dem die Bajuwaren ihr Lebensprinzip in Krachlederner und Dirndl zur Schau stellen: „Mia san mia.“

Peinlich nur, dass so kurzfristig nirgendwo Ersatz zu haben war. Favorit Julian Nagelsmann, der 30-jährige Jungspund aus Hoffenheim – quasi der Sebastian Kurz des deutschen Fußballs –, ist vertraglich an den Provinzklub gebunden. Es musste rasch ein Retter her – und Bayern-Patriarch Uli Hoeneß fand ihn in einem Rentner aus dem Rheinland, seinem alten Kumpel Jupp Heynckes. Der 72-jährige Gladbacher hatte die Bayern drei Mal zu Titel und Triumphen geführt. Was aber, wenn er aus der Übung gekommen ist? Fans begrüßten den Hoffnungsträger hämisch – und in Anspielung auf den einst ewig jungen Charmeur Joopie Heesters: „Hallo Joopie.“

Das Prinzip, Veteranen und verdiente Recken aus der Pension zurückzuholen, lässt sich eins zu eins auf die res publica übertragen: die Politik. Sollten am Wahlsonntag alle Taue reißen und das Land auf eine Klippe steuern, müssten Wolfgang Schüssel – einen Monat jünger als Heynckes – und der gerade 80-jährige Franz Vranitzky das Ruder des schlingernden Staatsschiffs übernehmen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2017)

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