Pizzicato

Voreilige Gratulation

Glücklich das Volk, das einen irdischen Messias unter sich weiß. Lionel Messi bewahrte Argentinien dieser Tage davor, in eine nationale Depression zu taumeln und die Psychoanalytiker in Buenos Aires, Rosario oder Córdoba – die Wirkstätte eines Wunders – an den Rand der Erschöpfung zu bringen. Der Hattrick von „La Pulga“, des Flohs, sicherte der Albiceleste – den Blau-Weißen – in letzter Minute noch die Qualifikation für die Fußball-WM in Russland.

Nicht auszudenken, welche Krise eine Nichtteilnahme zwischen Rio de la Plata und Feuerland ausgelöst hätte – ein Tal der Tränen und einen Todestango. In Chile, bei den den Nachbarn jenseits der Anden, bei den Amigos in den USA und erst recht bei den Oranjes lässt sich das Fußballunglück indes beobachten. Holland in Not!

In der früheren westafrikanischen Sklavenrepublik Liberia dagegen schickte sich Ex-Weltfußballer George Weah – Legionär und Legende bei Monaco, Paris St. Germain, AC Milan oder Chelsea – an, die Präsidentenwahl zu gewinnen und dem vom Bürgerkrieg traumatisierten Land neue Hoffnung zu geben. Ein wenig voreilig – alle Stimmen waren längst nicht ausgezählt – gratulierte ihm Ex-Trainer Arsène Wenger zum Wahlsieg. Der Arsenal-Coach und Taktikfuchs sollte am besten wissen, dass in der Nachspielzeit manches schon gewonnen geglaubte Match noch verloren geht. (vier)

Reaktionen an:thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2017)

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