Pizzicato

Integrationsprobleme

Auslandskorrespondent – oftmals ein hartes Brot. Es gilt ja nicht nur, so schnell wie möglich ein tragfähiges Netz an Auskunftspersonen zu schaffen, die Damen und Herren müssen sich auch den ortsüblichen Sitten und Gebräuchen anpassen. Und das recht rasch.

So erzählt einer noch heute grinsend, dass er mit „mächtig Kohldampf“ bei einer Labestation „Palat-schinken“ las. Ganz wurscht, was das ist – Schinken klingt gut. Was ihm serviert wurde, mundete zwar vorzüglich, war nur etwas süß.

Reinhard Olt, lange Jahre der Vertreter der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Wien, erinnert sich auch gern an den Wiener Schmäh, den er erst mühsam erlernen musste. Sein „Austrifizierungsprozess“ verlief so: An der Kreuzung Anton-Langer-Gasse/Weinrothergasse in Hietzing trafen vier Autos zusammen. Der Dienst-Pkw Olts hatte – natürlich – ein deutsches Kennzeichen. Über die Vorfahrt musste man sich wegen der Engstelle durch Handzeichen verständigen. „Offenbar hatte ich mich nicht commentgemäß verhalten, denn ich hielt, um den von rechts Kommenden an mir vorbei einbiegen zu lassen. Als der auf Augenhöhe war, kurbelte er die Scheibe herab, zeigte mir den Vogel und schrie: ,Homm s' da ins Hirn gschissn, Deppata!?‘“ Perplex entgegnete Olt: „Mit mir müssen Sie schon Deutsch reden . . .“ (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

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