Häuptling Crazy Horst

Ausnahmezustand in, um und über Wien – in der Luft, zu Land und am Wasser.

Die EU-Innenminister waren in der Stadt, und Herbert Kickl ließ alles auffahren, was dem obersten Sheriff der Republik zu Gebot steht: Hubschrauber, Motorradeskorten, Scharfschützen, Patrouillen am Donaukanal und an der Donau.

Die Einsatzkräfte hatten beim Cowboy- und Indianerspiel alle Hände voll zu tun – allerdings nicht so sehr, um die Minister vor Unheil zu bewahren, sondern um sie voreinander zu schützen. Da geriet der Hausherr mit EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos aneinander. Er bezichtigte ihn, das Indianerehrenwort zu verletzen und die Flinte vorschnell ins Korn zu werfen. Italiens Matteo Salvini, der neuerdings „meistgefürchtete Mann Europas“ („Time“), lieferte sich in der Zwischenzeit ein Verbalgefecht mit dem Luxemburger Jean Asselborn. „Merde“, zischte der ihm entgegen. Die Köpfe liefen heiß, und es hätte nicht viel gefehlt, dass die Fäuste geflogen wären.

Nur Crazy Horst, der Häuptling der Bajuwaren, war in seiner Heimat geblieben. Sonst hätte ihn Herbert Kickl gewiss mit einer Reiterstaffel in Empfang genommen. Beim CSU-Parteitag in München muss sich Horst Seehofer heute dagegen wehren, an den Marterpfahl gestellt zu werden. In vier Wochen geht es bei den Landtagswahlen indes tatsächlich um seinen Skalp. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2018)

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