Von der Zeitvorstellung

Es ist einige Tage her, am Montag war's, in einem Supermarkt mit dem gelb-roten Logo im Bezirk Mödling.

Oh holy Christkind - das Theater geht jetzt schon los!
Oh holy Christkind - das Theater geht jetzt schon los!
Oh holy Christkind - das Theater geht jetzt schon los! – The Simpsons

Draußen ein milder Herbsttag, Laubgeruch, und was stand da links neben den Kassen, rot glitzernd? Eine Armee von Schokokrampussen und Kohorten von Nikoläusen. An einem 8. Oktober – zweieinhalb Monate vor Weihnachten und gut zwei Monate vor dem Nikolofest.

Oh holy Christkind! Noch vor nicht langer Zeit glühte die Welt bei 30 Grad aufwärts, wochen-, ja monatelang, auch die vergangenen Wochen war's meist mild bis warm untertags. Der Sommer hat kalendarisch vor kaum drei Wochen geendet, noch sind Geruchsreste von Sonnenmilch, Schwimmbadwasser und schwülverschwitzter U- und S-Bahnluft in der Nase, gerade haben Kürbis und junger Wein Saison und die Bäume begonnen, sich zu verfärben.

Und da knallt einem der Handel Symbole der (Vor-)Weihnachtszeit vor die Nase. Man hat das Gefühl, die Leute jammern nicht über die Zeitverflieggeschwindigkeit, sondern möchten sie subjektiv sogar noch steigern und die Zukunft an den Haaren in die Gegenwart reißen. So wird's im Oktober Dezember und im Dezember Frühling.

Man sollte sich nicht sorgen wegen der Sommerzeitsache mit dem Verstellen der Uhr um eine läppische Stunde, sondern vor jenen, die irgendwie gleich das Datum um Monate vorstellen möchten. (wg)

Reaktionen an: wolfgang.greber@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2018)

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