A Fehlbesetzung!

Es war der 1. Februar 1979, ein denkwürdiges Datum.

Es war der 1. Februar 1979, ein denkwürdiges Datum. Vor 40 Jahren ward in der Wiener Stadthalle B die Szene zum Tribunal. Als der SPÖ-Bürgermeister Leopold Gratz den „Krone“-Kolumnisten Helmut Zilk als neuen Kulturstadtrat erwähnte, entlud sich die Aggression über den unangepassten Außenseiter explosionsartig: Kein „Stallgeruch“, lautete das Verdikt. Und damit hatten die grauen Funktionäre gar nicht so unrecht.

„Die Prostitution führender Funktionäre gegenüber Zeitungen muss ein Ende haben“, rief ein hagerer Juso unter frenetischem Applaus. Sein Name: Josef Cap. „Unter jenen, die in den Stadtsenat einziehen, ist zumindest einer, bei dem Verbundenheit mit der sozialistischen Bewegung nicht seine Stärke ist!“ Das war Originalton Josef Hindels, Gralshüter der reinen austromarxistischen Lehre.

Da zählte nicht, daß der Mann, um den es da ging, seit 32 Jahren Parteimitglied war. Das war zu wenig. Ein Ottakringer Funktionär brachte es auf den Punkt: Zilk habe als TV-Direktor und später als „Krone“-Star nie etwas für SPÖ-Parteigänger getan. „Der is' a Fehlbesetzung!“ Die Basis jubelte, Gratz und Zilk saßen wie die sprichwörtlichen begossenen Pudel in Reihe eins. Nur ganz knapp schaffte Zilk die Abstimmung. Und keiner konnte damals ahnen, dass da einer der populärsten Bürgermeister heranwuchs. (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2019)

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