Ein edles Duell

Fritzi Grünweiß ist Fußballfan. Also passiv, seit er gehen kann.

Fritzi Grünweiß ist Fußballfan. Also passiv, seit er gehen kann. Stellen Sie sich ihn einigermaßen stämmig vor, Bauchansatz mit zwanzig, mit Vorliebe gekleidet in grün-weiße Trikots mit dem Logo der Wien Energie, dazu passend der Fan-Schal. Wenn er mit der U4 gen Hütteldorf pilgert, fühlt er sich von seiner großen Familie umgeben, geborgen, sicher. Er ist ein friedlicher Riese, der auch nach mehreren Dosenbieren noch nie die Contenance verlor. Ein Vorbild an Fan-Kultur.

Heute freilich ist Fritzi G. enragiert. Was heißt: Glutrot läuft seine Birne an, wenn er von der Schmach berichtet, den ihm violette Feinde angetan haben. Wegen zu befürchtender Schlägereien hat die Polizei das Fußball-Cupfinale im Austria-Stadion verboten, denn Erzfeind Rapid gegen RB Salzburg – das ließen sich die rabiaten Fans der Veilchen nicht gefallen. Tätlichkeiten seien zu befürchten, sagen die Behörden. Die Hooligans wären derart gewaltbereit, dass man lieber nach Klagenfurt ausweichen möge. Fritzi G. ist empört. Und wir verstehen ihn. Das geht denn doch zu weit. Diesmal wäre er sogar bereit, seinen Körper in die Schlacht zu werfen wie einst Winkelried, der sich opferte, indem er alle Lanzen auf sich zog. Ist das nicht schön? Ja, Fußball ist ein edler Sport. Ein feines Spiel. Nur sollte man es ohne Zuschauer zelebrieren. (hws)

Reaktionen an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2019)

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